Heimatverein Anholt

             

St. Martin in Anholt



„Heimat verbindet“

 

Auf der Willkommen – Seite des Internetauftritts vom Heimatverein Anholt ist zu lesen:

„Heimat“ bezeichnet unsere biographische Herkunft,

unsere tiefe Verbundenheit zu unserer Heimatstadt Anholt,

zu den dort gelebten Sitten und Bräuchen,

seinem sozialen Gemeinwesen.

Heimat und Herkunft bilden die früheste Erfahrung eines Menschen,

schaffen den Grundstock eines ganzen Lebens.

So formen viele Einzelne ein großes gemeinsames Ganzes!

 

 

 

Der Gedenktag des Heiligen St. Martin von Tours der alljährlich seit jetzt nahezu 100 Jahren in Anholt am 11. November begangen wird, ist für Anholt und die Anholter ein Tag der Freude. Ein Tag, den wir gemeinsam begehen. Dieser Tag verbindet uns miteinander, findet seinen Platz im Gedächtnis der Teilnehmer.

In nachfolgenden Jahren erinnert man sich gemeinsam:

„Weißt du noch, damals zu St. Martin….!“

 

Der christlich soziale Gedanke der Nächstenliebe, des aufmerksamen und achtsamen Umgangs miteinander ist für uns Leitgedanke dieses Tages.

Geben und Nehmen sind durchaus miteinander verbunden, wer beschenkt wird sollte auch freudig geben können, mit seinem Gegenüber teilen.

Dabei muss es sich nicht immer um materielle Dinge handeln, auch Gefühle und Erlebnisse können wir miteinander teilen.

 

Die Mantelteilung aus der Legende um den Heiligen Sankt Martin steht als Metapher für das „Geben und Nehmen“. Aus diesem Grunde wird zu Beginn des abendlichen Fackelumzugs jedes Jahr - vor allen versammelten Teilnehmern – die Teilung nachgespielt.

 

Im Laufe des nun fast 100jährigen Begehens des Martinstages in Anholt hat dieser Tag Veränderungen erfahren.

Ursprünglich ging der Fackelumzug durch die Straßen Anholts und wurde mit dem Austeilen eines Stutenkerls an die Kinder beendet. Bis Anfang der 40iger Jahre, führte der Fackelumzug dann auch in den Innenhof der Wasserburg Anholt.

Ihre Durchlaucht, Erbprinzessin Marie – Christine zu Salm – Salm, von den Anholtern respektvoll „Kaiserliche Hoheit“ genannt, hielt ebenfalls für jedes Kind eine kleine Gabe bereit. Als Dank wurden auch dort die Martinslieder gesungen und … „Sünte Mattins Vöggelken..“ erklang in „Anholter Platt“.

 

Im Laufe der Zeit

·        kam die damalige Musikkapelle begleitend zum Umzug hinzu, spielten Laiendarsteller den reitenden römischen Soldaten und den armen Bettler.

·        Schnitzten die Kinder zu Beginn aus Rüben ihre Fackeln kamen später kleine Kunstwerke aus Holz gesägt und geleimt dazu. In der Nachkriegszeit, so ab 1947 beleuchtete noch eine Kerze die Fackel, in den 60iger Jahren kam die elektrische Beleuchtung auf.

Die Fackeln mussten nicht mehr selber gebastelt werden, es gab Fackeln aus Papier und Plastik zu kaufen.

 

Als das Schulsystem in Grund – und Hauptschule getrennt wurde, liefen auch nur noch die Grundschüler und Kindergartenkinder beim Umzug mit. Wer von den älteren Kindern dennoch gerne eine Martinstüte haben wollte, konnte diese käuflich erwerben.

 

·        Als musikalische Begleitung beteiligte sich nun auch, zusätzlich gegen Ende der 40iger Jahre, der neu gegründete Tambourcorps Anholt.

·        Neue Martinslieder wurden aus anderen Regionen adaptiert und sind seitdem Bestandteil der Lieder die hier zu Stankt Martin gemeinsam gesungen werden.

 

Durch die großzügige Spendenbereitschaft der Anholter Bevölkerung konnten in jüngeren Jahren auch die Senioren im Seniorenwohnheim mit einer kleineren Martinstüte bedacht werden.

Eine Abordnung von Kindern und Betreuern überbringt den Senioren am St. Martinstag am frühen Nachmittag die Tüten. Die Alten und die Jungen singen gemeinsam in fröhlicher Runde, die Martinslieder. So mancher ältere/r Mitbürger/in wird an seine/ihre eigene Jugend erinnert, als er/sie selber noch am Fackelzug teilnahm.

 

 

Nachdem der Fackelumzug durch die Stadt beendet ist und die Tüten an die Kinder verteilt wurden, führt uns der Weg zur letzten aktiven Veranstaltung des Tages, dem gemeinsamen Besuch von Musikern, dem St. Martin und einer Abordnung des Heimatvereins zum Singen ins Augusta Hospital, heute eine Klinik für MS Erkrankte sowie ein Altersstift der Clemensschwestern.

·        Im Foyer erwarten die Patienten, Ordensschwestern und Personal die Abordnung um auch hier dem Heiligen St. Martin und seinen Taten zu gedenken. Manch bewegende Momente tun sich da auf und die eine oder andere Träne fließt wegen der besonderen Situation. Gerne werden auch hier die Tüten entgegen genommen.

·        Gemeinsam mit dem Chefarzt, dem St. Martin und der Abordnung vom Heimatverein begibt man sich danach auf die Stationen zu den bettlägerigen Patienten um auch denen die Tüte zu St. Martin zu überreichen.

Langjährige Patienten bemühen sich darum, ihre Reha-Maßnahmen gerade zu dieser Zeit stattfinden zu lassen.

Die große Wertschätzung durch die Patienten und Personal der Fachklinik bestätigt uns in unserem Engagement.

 St. Martin findet in Anholt generationsübergreifend statt, viele Anholter sind zu diesem Tag aktiv in die Geschehnisse eingebunden.

Vordergründig ist der Fackelumzug der jungen Kinder am frühen Abend zu nennen.

Seit Wochen bereiten sich Kinder, Lehrer und Erzieher/innen in den Schulen und Einrichtungen darauf vor.

·        Im Musikunterricht werden die alten und neuen Lieder eingeübt, die wir zu St. Martin singen.

·        Im Werk – und Kunstunterricht werden die Fackeln gebastelt.

Da heute die Gesellschaft vielschichtig zusammen gesetzt ist, Mitbürger aus anderen europäischen Ländern hierher umgezogen sind, Flüchtlinge aus anderen Kontinenten hier bei uns eine neue Heimat finden sollen, spiegelt sich diese Vielfalt auch in den verschiedenen Einrichtungen wieder.

Unterschiedliche Kulturen und Glaubensrichtungen treffen aufeinander und trotz dieser Unterschiede finden sich  alle gemeinsam im Begehen des Gedenktages zu St. Martin zusammen.

Der ursprünglich christlich geprägte Gedanke geht in den sozialen Bereich über, es sind alle eingeladen, dieses christliche Fest mit uns gemeinsam zu feiern. Diese Einladung wird gerne angenommen wie die große Anzahl der Teilnehmer zeigt. 

Der Heimatverein Anholt plant, organisiert und setzt die Veranstaltung um. Aber erst durch die Mitarbeit der vielen freiwilligen Helfer lässt sich dieses Fest begehen.

 

  • Anfang      Oktober: Die Sammler/innen werden      zur Besprechung der Sammelaktion zum Kaffee ins Heimathaus eingeladen.

Diese Zusammenkunft findet ungefähr 4 bis 6  Wochen vor dem Festtag statt. Neue Freiwillige werden in die bestehenden Gepflogenheiten eingewiesen, die einzelnen Sammelbereiche abgesprochen und die entsprechenden Berechtigungsschreiben für die Sammelaktion ausgegeben.

Die Sammlung umfasst einen Zeitraum von 3 Wochen in denen die Freiwilligen von Tür zu Tür gehen und um Spenden zur Finanzierung des Gedenktages bitten.

  • In      der Schule und den Tageseinrichtungen für Kinder starten nun ebenfalls die      Vorbereitungen für den Tag.

Die Lieder werden eingeübt, die Fackeln werden gebastelt.

  • Ein      Anschreiben mit allen wichtigen Daten, wie Beginn, Treffpunkt, Ablauf und      Zugplan wird an die Eltern der teilnehmenden Kinder ausgegeben.
  • Nach      Abschluss der Sammelaktion kann der Einkauf der Waren für die Tüten      getätigt werden, der richtet sich wiederum nach dem ersammelten Budget.

Rund 450 große Tüten werden zu St. Martin für die Kinder gepackt, ca. 300 kleinere Tüten für die Senioren, Schwestern des Altersstifts und Patienten des Augustahospitals.

Zusätzlich noch die großen Tüten für die freiwilligen Helfer als kleines Dankeschön!

Traditionell kommen Spekulatius, Haselnüsse, Walnüsse, Erdnüsse, Äpfel, Orangen, Schokolade, Bonbons und der Stutenkerl in die Gabentüte. Diese packt der Vorstand des Heimatvereins am Vorabend der Veranstaltung.

Im letzten Jahr haben wir erstmalig ein Textblatt mit der Martinslegende dazugelegt.

  • Am      Vorabend des Festtages werden von den Erzieher/innen der Kindergärten die      gepackten Gabentüten abgeholt, da die Kindergartenkinder diese in der      Einrichtung überreicht bekommen. 

Ablauf des Festtages

  • Eine      Gruppe von Kindern der Musikschule und deren Leiterin treffen sich mit      einer Abordnung des Heimatvereins nachmittags  im Seniorenwohnheim. Dort werden gemeinsam      mit den Einwohnern und dem anwesenden Personal die bekannten Martinslieder      gesungen.

Hier verteilen die Kinder  die Gabentüten an die Senioren.  

  • Treffen      der Zugteilnehmer, Feuerwehr, Polizei, DRK Helfer, Musiker und der  Laiendarsteller von St. Martin und dem      Bettler, sowie dem Pferdepfleger nebst Schimmel auf dem Schulhof der      Grundschule zu Beginn der Abenddämmerung.
  • Erste      Station des Fackelumzugs ist die Schneidkuhle, eine parkähnliche Festwiese      die sich direkt neben der Grundschule befindet. Auf der Schneidkuhle      versammeln sich alle Teilnehmer in einer großen Runde.

Während die Martinslegende von einem Kind vorgelesen wird, stellen die Laiendarsteller die Mantelteilung dar.  

  • Fackelumzug      durch die Straßen der Stadt.

Es gibt 2 unterschiedliche Zugwege die das eine über das andere Jahr genommen werden. Zum einen der traditionelle Weg durch die Innenstadt, zum anderen den zweiten, neuen Weg durch die neuen Wohngebiete.  

  • Die      Anwohner des Zugweges schmücken ihre Vorgärten und Fenster mit Lichtern      und Fackeln und tragen so zu einer heimeligen Atmosphäre bei. Großeltern,      Onkel und Tanten, Freunde und Bekannte säumen den Zugweg und erfreuen sich      am Anblick der vorbeiziehenden Kinder mit ihren Fackeln und lauschen den      Liedern die die Kinder in Begleitung der Musik singen.
  • Austeilung      der Gabentüten an die Grundschüler nach Beendigung des Fackelzuges. Auch      die vielen Freiwilligen werden mit einer Gabentüte bedacht.
  • Besuch      des Augusta Hospitals, der Fachklinik für MS

St. Martin, die Musiker und eine Abordnung des Heimatvereins begeben sich zum Augusta Hospital. Dort erwartet man den Sankt Martin in der Eingangshalle, wo die Patienten und die Schwestern des Altenstifts bei Kaffee und „Olibollen“ auf die Ankunft des St. Martins gewartet haben.  

Nach dem gemeinsamen Singen werden auch hier die Gabentüten verteilt.  

Im Anschluss daran begibt sich die Abordnung vom Heimatverein mit dem Laiendarsteller des St. Martin , unter der Führung des Chefarztes, auf die einzelnen Stationen in die einzelnen Krankenzimmer um auch den bettlägerigen Kranken eine Gabentüte zu reichen und ein kurzes Gespräch zu halten.  

Abschluss findet der Festtag mit einem gemütlichen Beisammensein aller freiwilligen Helfer in einer Gaststätte am Ort. Hier zieht man die Bilanz des Tages und trifft die Verabredungen für den St. Martin im kommenden Jahr. 

Durchführungszeitraum und Orte

Das Fest zum Gedenken an den Heiligen Martin findet jedes Jahr am 11. November, dem Tag seiner Grablegung, statt.

Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung umfasst einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen.

Begonnen wird mit der Haussammlung zur Finanzierung der Veranstaltung, gleichzeitig ist das auch der Start zum Anfertigen der Fackeln und der Einübung der Martinslieder in den Kindergärten und der Schule in Anholt.

Am Festtag selber besuchen wir mit einer Abordnung das Seniorenwohnheim und das Augustahospital.

Treffpunkt und Ausgabestelle der Gabentüten ist das Schulgelände der Grundschule. Der Veranstaltungsort „Schneidkuhle“, eine parkähnliche Grünfläche neben dem Schulgelände dient als Versammlungsplatz aller Teilnehmer. Dort wird die Martinslegende, die Mantelteilung vorgespielt.

Der Fackelzug zieht  anschließend durch die Straßen der Stadt und findet sich am Ende wieder an seinen Ausgangspunkt dem Schulgelände ein .

Hier endet mit der Austeilung der Gabentüten an die Kinder der offizielle Fackelumzug für die Kinder.

Das Geschehen wird nun in das Augustahospital verlagert. Die Musiker und eine Abordnung feiern dort gemeinsam mit den Patienten, Angestellten und Schwestern des Altenstifts St. Martin. 

Einbindung von Kooperationspartnern

Zur Durchführung des Gedenktages des Heiligen Martins ist die Kooperation mit vielen Partnern nötig. Mittlerweile ein eingespieltes Räderwerk, wo jeder sich mit dem anderen abstimmt um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen.

  • Laiendarsteller      des Martin und des Bettlers, wobei der des Martin sich auf ein Pferd      trauen muss, da in Anholt der Heilige Martin als berittener römischer      Soldat dargestellt wird.

Bei diesen Darstellern handelt es sich um Bürger unserer Stadt die gerne aktiv an der Gestaltung dieses Tages teilnehmen, manche füllen diese Rolle über lange Jahre hinweg gerne aus.

  • Pferdehalter      und Pferdepfleger, sowie das Pferd

Seit Jahren vermittelt der gleiche Stall den  Schimmel für unseren Martinszug. Ein/e Pferdepfleger/in führt Pferd und Reiter während des Fackelzuges und der Mantelteilung. Für den gesamten Aufwand geben sich Eigentümer und Pferdepfleger mit einem geringen Entgeld zufrieden, sie sehen ihren persönlichen Einsatz als  Beitrag zum allgemeinen Gelingen an.

 

  • Feuerwehr,      DRK und Ortspolizisten begleiten den Zug
  • Das      Isselburger Blasorchester und das Grenzland Tambourcorps Anholt sorgen für      die musikalische Begleitung
  • Das      Personal der Grundschule und Kindergärten bereitet sich gemeinsam mit den      Kindern auf diesen Tag vor

 

  • Fackeln       werden im Werk – und Kunstunterricht gebastelt
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  • die       Kindergartenkinder und Eltern erstellen die Laternen unter Anleitung der       Erzieher/innen
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  • im       Musikunterricht werden die Martinslieder eingeübt
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  • die       Legende des Heiligen Martin von Tour findet Beachtung im       Religionsunterricht
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  • in       den Kindergärten wird die Martinslegende erzählt, die Martinslieder       eingeübt

  • die      freiwilligen Sammler/innen führen die Haussammlung durch
  • die      Gruppe der musikalischen Früherziehung der Musikschule Isselburg      erarbeitet mit ihrer Lehrerin ein Programm für das gemeinsame Singen mit      den Senioren im Seniorenheim 

Nachhaltigkeit des Projekts

Bis 1925 fand der Tag des 11. Septembers in Anholt seine Bedeutung dadurch, dass es sich um den letzten Tag vor der adventlichen Fastenzeit handelte und man die Vorräte aus Ernte und Schlachtung, die leicht verderblich und nicht haltbar waren bei einem gemütlichen Mahl mit Freunden und Familie verzehrte.

Vorher am Tag war die Kartoffelernte abgeschlossen und das übrig gebliebene Laub wurde direkt auf dem Feld verbrannt. Im heidnischen Brauchtum war dieses Feuer zur Vertreibung der Dunkelheit gedacht, wurde irgendwann in die christlichen Traditionen eingebunden und so sprangen Mutige eben über diese Kartoffelfeuer um dem Dunkel des nahenden Winters zu trotzen.

Mündlich überlieferte Erzählungen alter Anholter berichten deshalb über einen „Sprung über die Kerze“ in ihren frühen Kindheitstagen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Anholt eine Kinderverwahrschule und dort sprangen die Kinder über eine brennende Kerze um der alten Tradition zu folgen.

 

1925 fand dann der erste Fackelumzug zu Sankt Martin in Anholt statt. Initiiert von Paula Huyink, eine aus dem nahegelegenen Rheinland stammende Gastronomin die in Anholt eine neue Heimat gefunden hatte und nun diesen Brauch ihrer alten Heimat in die neue überlieferte.

Seitdem findet alljährlich zum Gedenktag zu St. Martin ein Fackelumzug in Anholt statt.

 

Standen anfänglich die Kinder und deren Bescherung im Mittelpunkt hat sich im heutigen Begehen des Festtages der Fokus auf den christlich sozialen Aspekt der Nächstenliebe gelegt, prägend für alle Aktivitäten dieses Tages.

Wir begehen gemeinsam diesen Tag, gleich welcher Generation oder Glaubensgemeinschaft der Einzelne angehört. Der festliche Rahmen, geschaffen durch die leuchtenden Lichter der Fackeln und Kerzen in der Dunkelheit, durch das gemeinsame Singen der Martinslieder und das Abgehen der mit Lichtern geschmückten Straßen der Stadt vermittelt Zugehörigkeit, verschafft dem gemeinsam erlebten und gestaltetem Festtag eine besondere Bedeutung:

Viele Einzelne schaffen ein großes Ganzes!