Weißt du noch, damals....

 

 

 

 

 

 

 

Wenn abends um 18.00 Uhr die Glocke erklang....

 

da durften wir Kinder noch Stunden allein und ohne elterliche Aufsicht draußen spielen.
Die gesamte Stadt, das Gebiet um die Wasserburg, der Wall, die Schneidkuhle, Stadtbruch – wir waren überall zu finden. Auf dem Wall spielten wir Cowboy und Indianer, erkletterten jeden Baum, gleich welche Höhe er hatte, bauten harmlose „Fällekes“ wo hinein die „Anderen“ treten sollten. Auf der Schneidkuhle spielten wir Fußball oder „Köppen“, die Mädchen oftmals „Hinkeln“ oder Gummitwist.
Im Stadtgraben, bis auf dessen Grund wir damals schauen konnten, fingen wir Stichlinge und Kaulquappen mit Einmachgläsern, die wir unserer Mutter stibitzt hatten.
A B E R wenn abends um 18:00 Uhr die Kirchenglocke auf dem Wall läutete, hatte alles Schöne ein Ende. Das Glockenläuten sagte uns unmissverständlich: Jetzt musst du nach Hause!
Zu Hause warteten die Eltern mit dem Abendbrot. Und es ging gar nicht, dass man fürs ZuSpätKommen die Ausrede benutzte, die Glocke nicht gehört zu haben.
Das wussten unsere Eltern, denn die waren selber einmal Kind und wussten was die Glocke geschlagen hatte.

 

 

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Weißt du noch, damals....

 

Kinderschützenfest in Anholt

 

 

 

 

Ideen hatten sie früher, unsere Eltern. Das stellten sie unter Beweis, als sie gemeinsam mit dem Kindergarten und dem Anholter Tambourcorps das Kinderschützenfest für die Kinder des Entlassjahrgangs ins Leben riefen.

Ehrlich gesagt hatten wir auch keine Lust mehr auf malen, basteln, kleben!

Wir waren nun groß, auf uns warteten andere Aufgaben!

Hat man uns damals ja auch bestätigt:

„Oh, du bist aber groß geworden. Kommst ja auch dieses Jahr in die „große“ Schule! Freust du dich schon?“

Nun, das mit dem Freuen war so eine Sache.

 

 

 

Auch unser König wurde per „Königsschuss“ ermittelt.

Mit einem Ball warfen die Jungen den im Baum befestigten

Pappvogel ab. Je nach Aufregung und Treffsicherheit zog sich das schon mal einige Zeit hin.

War der Vogel endlich gefallen, erwählte der König seine Königin aus den Reihen der geduldig wartenden Mädchen.

Alle übrigen Jungen und Mädchen bildeten den Thron.

 

 

 

 

 

 

Am Tag des Kinderschützenfestes war halb Anholt auf den Beinen. Festlich gekleidet und gut gelaunt stand das Königspaar mit seinem Thron vor dem Rathaus. Hier sorgte der obligatorische Zylinder  für den nötigen Größenausgleich und das Bild war perfekt.

 Schwester Lisiana und ihre Helferinnen trugen für einen reibungslosen Ablauf bei und wir hatten das Gefühl, dass unser Schützenfest einfach grandioser war als das der Großen.

 

 Für das Kinderschützenfest wurden wir festlich „aufgehübscht“. Die „Sonntagsen Sachen“ , weiße von Mutter noch gebleichte Kniestrümpfe und die guten auf Hochglanz polierten Schuhe an, nahm man vor dem Rathaus die Parade ab. Die perfekten  Bügelfalten gaben der Königs-Hose den nötigen Kniff und zahlreiche Petticoats ließen das Ballkleid der Königin schön ausladend fallen. 

 

 

 

 

Auf die Parade folgte der Umzug durch die Stadt. Wir standen den Erwachsenen in Nichts nach, und falls wir nicht weiter wussten war Fräulein Linders war zur Stelle.

Auf der Niederstraße, im Hintergrund das alte Archiv und die alte Schlossgärtnerei.

Viele Geschwister ließen es sich nicht nehmen, Bruder oder Schwester den Weg über zu begleiten und so gehörten sie in einem gewissen Sinne, ebenfalls dazu. So war das eben in Anholt.

 

Die große Feier fand bei Venderbosch in Vehlingen statt und damit auch alle Kinder den Weg dorthin schafften, wurden sie teilweise mit Pferd und Wagen in den festlichen Umzug mit eingereiht. Damals verlief der Weg noch die alte Straße entlang der Runden Bank.

 

 

  

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Weißt du noch, damals.....

Schulzeit in der katholischen Volksschule Anholt

 

 

 

Großartig vorbereitet wurden wir auf die Schule nicht, wer schon etwas lesen, schreiben oder rechnen konnte hatte sich das aus eigenem Willen zu Hause angeeignet.

Vater kaufte den Schultornister – es sei denn, wir übernahmen den Tornister von einem älteren Geschwisterkind, was durchaus üblich war.
Die Entscheidung welche Farbe, Marke, welches Motiv mussten wir nicht treffen! Es gab Leder, einfarbig, ein Fach; zum Verschließen entweder mit zwei Schnallen oder mit einem modernen Klickverschluss, zwei Trageriemen, um den Tornister zu schultern.

 

 

 Mutter war für den Inhalt verantwortlich: die Schiefertafel mit dem Putzlappen, dem Schwämmchen und dem Griffel. Das Lesebuch, das Rechenbuch und natürlich das Pausenbrot, eingewickelt in Butterbrotpapier.

Am Tag der Einschulung wurden wir zu Hause von Mutter aufgehübscht, bekamen letzte Benimm-Hinweise und – was für uns natürlich das Wichtigste war – die Schultüte!
Nicht selbst gebastelt, aber dafür selbst gefüllt von Mutter mit Süßigkeiten.

Wir saßen auf den alten Bänken die fest mit den Pulten, die noch das Tintenfass in der oberen Leiste hatten, verbunden waren. Da war nix mit Stühle wackeln…

Wir lernten schreiben, Schönschreiben, um genau zu sein.
Buchstaben, einer schöner wie der andere, reihenweise, seitenweise… hefteweise. 

Wir haben gerechnet:
1 + 1 = 2 1 und 1 sind 2,
5 – 2 = 3 5 weniger 2 sind 3,
3 x 3 = 9 3 mal 3 sind 9,
10 : 5 = 2 10 geteilt durch 5 sind 2.

Unterrichtet wurden wir ebenfalls in Heimatkunde, Musik, Handarbeiten oder Werken, „Turnen“ - Sport und Religion.

 

 Heimatkunde war in Ordnung, schließlich kannte man all die alten Geschichten von Opa und Oma.

Schloß (eigentlich ja Wasserburg), Schlossgarten, Wall und Stadt waren uns so vertraut wie unsere Westentasche.
Man war halt Anholter mit Leib und Seele!

Musik bedeutete Singen, Noten lernen, Geigenspiel von Herrn Schwitalla.
Als Herr Maillard an unsere Schule kam, lehrte er uns wie man Blockflöte spielte und wenn er uns belohnen wollte, holte er sein Banjo hervor und spielte für uns, eine gern gesehene Abwechslung im Schulalltag.

 

 

Laut Lehrplan der 60iger Jahren wurden die Mädchen in Handarbeit und die Jungen in Werken unterrichtet.
„Pottlappen“ häkeln, also Topflappen, war angesagt.
Den Spaß holte man sich dabei durch die unterschiedliche Farbgestaltung, weiß, rot, grün, gelb und blau standen zur Auswahl. Häkelnadel Stärke Nr. 3 war Standart, ebenso wie die verkrampften Finger. Auslassen einer Masche veränderte die Form des Lappens, man musste alles wieder bis zum Fehler aufribbeln und neu häkeln. Zum Schluss wurde der „Pottlappen“ mit „Mausezähnchen“ verziert.
Wir nähten unterschiedliche Knöpfe an ein Trockentuch, stopften Vaters ausrangierte Socken und versuchten den Kreuzstich auf Schülerleinen.

Die Jungen werkelten mit Holz, bastelten Drachen, bauten kleine Boote… schnitzten, hobelten, sägten.

 

 

Nach Beendigung der Pause mussten wir den kritischen Augen des Hausmeisters während der üblichen „Mattenkontrolle“ standhalten.  Sicher wird sich daran jeder erinnern.

 

Disziplin und Erziehung wurden zu jener Zeit noch als vorrangige Aufgaben in der Schule angesehen. Wir standen auf, wenn die Lehrperson den Klassenraum betrat und wünschten laut gemeinsam „Guten Morgen“. Wir hatten still zu sitzen, dem Unterricht zu folgen und nicht mit dem Nachbarn zu schwätzen. Manch einer wird in seinem Zeugnis den Eintrag haben: „ ... stört und schwätz sehr viel!“
Auch wurde das Lineal nicht immer nur zum Ziehen gerader Linien benutzt und der Zeigestock wurde öfter zum „Knüppel aus dem Sack“.
Zum Glück ließ das nach und ist dann generell verboten worden.

Nachsitzen und Strafarbeiten gehörten ebenfalls zu den gängigen Erziehungsmethoden.
Wusste sich der Lehrer nicht zu helfen, bekam man das Nachsitzen aufgebrummt, wurde nach seinem regulären Schulschluss für zusätzliche Stunden in eine andere Klasse gesetzt. Hatte man Glück, musste man nur die Zeit absitzen. Meinte das Schicksal es nicht so gut mit einem, dann war noch zusätzliche Strafarbeit angesagt.
„Ich darf während des Unterrichts nicht schwätzen“ oder „Ich muss täglich meine Hausarbeiten machen“ musste dann 100 Mal geschrieben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jesus

Religion unterrichtete meistens der katholische Geistliche der Gemeinde. Er brachte uns die 10 Gebote und deren Auslegung näher, erzählte von Jesus und Maria, dass Jesus aus Wasser Wein machen konnte…

 

 

 

 

Turnen war wohl das Lieblingsfach vieler, wobei eine Turnhalle ja nicht vorhanden war.
Unser Sportunterricht fand auf der Schneidkuhle statt. Zum Aufwärmen liefen wir Runde um Runde um die Schneidkuhle, wurden anschließend in Mädchen und Jungen aufgeteilt.
Die Jungen spielten Fußball, die Mädchen Schlagball oder Korbball.

Nachdem man sich als Erstklässler eingelebt hatte, war man mit den sozialen Gepflogenheiten der Schule vertraut.
Die älteren Schüler hatten immer den Vorrang, unser Respekt war denen sicher.
Die älteren Mädchen flanierten Arm in Arm in den Pausen auf den Wegen der Schneidkuhle und auch hier kam man besser niemanden in die Quere.

 

 

 

Ein altes Schülerpult, wohl aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts und eine "Rechenhilfe" - die "Kugelrechenmaschine" ein Abakus.
Beides sind Ausstellungsstücke des Heimatvereins.

Alte Schieferplatten auf die man damals schrieb. Sie erfüllten ihren Nutzen - auch ohne Linien und Kästchen.

 

Hier sehen wir die Griffelmulden und das aufklappbare Tintenfass. Wie viele Kinder mögen an diesem Pult gesessen haben....