Anholter Geschichten

Auf dieser Seite erzählen wir von Ereignissen aus der Zeit der 60iger Jahre.

Die Erzählungen sind chronologisch angeordnet, die erste Erzählung steht an erster Stelle, die neuesten fügen sich immer als letzte unten an.

Viel Spaß beim Lesen und Erinnern.


Inhalt 

Weißt du noch, damals

- Wenn abends die große Glocke am Kirchberg erklang

Kinderschützenfest in Anholt

Katholische Volksschule Anholt

Kniestrümpfe und Lederhosen

.... der Frühling ist da!

Lesen ist ein Abenteuer

- Kurt Flanz

Kinderkommunion in Anholt

 Impfzentrum Volksschule Anholt

"Autoselbstfahrer" und gebrannte Mandeln

- Pfingstkirmes im Städtchen

Biotop Wildpark Anholter Schweiz







18. Juni 2019


Weißt du 
noch, damals.....

Wenn abends die große Glocke am Kirchberg erklang....











 1. Wenn  abends um 18.00 Uhr die Glocke erklang...

da durften wir Kinder noch Stunden allein und ohne elterliche Aufsicht draußen spielen.

Die gesamte Stadt, das Gebiet um die Wasserburg, der Wall, die Schneidkuhle, Stadtbruch – wir waren überall zu finden. Auf dem Wall spielten wir Cowboy und Indianer, erkletterten jeden Baum, gleich welche Höhe er hatte, bauten harmlose „Fällekes“ wo hinein die „Anderen“ treten sollten. Auf der Schneidkuhle spielten wir Fußball oder „Köppen“, die Mädchen oftmals „Hinkeln“ oder Gummitwist.
Im Stadtgraben, bis auf dessen Grund wir damals schauen konnten, fingen wir Stichlinge und Kaulquappen mit Einmachgläsern, die wir unserer Mutter stibitzt hatten.
A B E R wenn abends um 18:00 Uhr die Kirchenglocke auf dem Wall läutete, hatte alles Schöne ein Ende. Das Glockenläuten sagte uns unmissverständlich: Jetzt musst du nach Hause!
Zu Hause warteten die Eltern mit dem Abendbrot. Und es ging gar nicht, dass man fürs ZuSpätKommen die Ausrede benutzte, die Glocke nicht gehört zu haben.
Das wussten unsere Eltern, denn die waren selber einmal Kind und wussten was die Glocke geschlagen hatte.

 

  


2. Kinderschützenfest in Anholt
















09. Juli 2019

Kinderschützenfest in Anholt

Ideen hatten sie früher, unsere Eltern. Das stellten sie unter Beweis, als sie gemeinsam mit dem Kindergarten und dem Anholter Tambourcorps das Kinderschützenfest für die Kinder des Entlassjahrgangs ins Leben riefen.

Ehrlich gesagt hatten wir auch keine Lust mehr auf malen, basteln, kleben!

Wir waren nun groß, auf uns warteten andere Aufgaben!

Hat man uns damals ja auch bestätigt:

„Oh, du bist aber groß geworden. Kommst ja auch dieses Jahr in die „große“ Schule! Freust du dich schon?“

Nun, das mit dem Freuen war so eine Sache. 

Auch unser König wurde per „Königsschuss“ ermittelt.

Mit einem Ball warfen die Jungen den im Baum befestigten Pappvogel ab. 

Je nach Aufregung und Treffsicherheit zog sich das schon mal einige Zeit hin.

War der Vogel endlich gefallen, erwählte der König seine Königin aus den Reihen der geduldig wartenden Mädchen.

Alle übrigen Jungen und Mädchen bildeten den Thron. 

 


Am Tag des Kinderschützenfestes war halb Anholt auf den Beinen. 

Festlich gekleidet und gut gelaunt stand das Königspaar mit seinem Thron vor dem Rathaus. 

Hier sorgte der obligatorische Zylinder  für den nötigen Größenausgleich und das Bild war perfekt.

Schwester Lisiana und ihre Helferinnen trugen für einen reibungslosen Ablauf bei und wir hatten das Gefühl, dass unser Schützenfest einfach grandioser war als das der Großen.

 Für das Kinderschützenfest wurden wir festlich „aufgehübscht“. 

Die „Sonntagsen Sachen“ , weiße von Mutter noch gebleichte Kniestrümpfe und die guten auf Hochglanz polierten Schuhe an, nahm man vor dem Rathaus die Parade ab. Die perfekten  Bügelfalten gaben der Königs-Hose den nötigen Kniff und zahlreiche Petticoats ließen das Ballkleid der Königin schön ausladend fallen.  













Auf die Parade folgte der Umzug durch die Stadt. 

Wir standen den Erwachsenen in Nichts nach, und falls wir nicht weiter wussten war Fräulein Linders war zur Stelle.

Viele Geschwister ließen es sich nicht nehmen, Bruder oder Schwester den Weg über zu begleiten und so gehörten sie in einem gewissen Sinne, ebenfalls dazu. So war das eben in Anholt.

Die große Feier fand bei Venderbosch in Vehlingen statt und damit auch alle Kinder den Weg dorthin schafften, wurden sie teilweise mit Pferd und Wagen in den festlichen Umzug mit eingereiht. Damals verlief der Weg noch die alte Straße entlang der Runden Bank.














Im Vordergrund der Polizeibeamte Schnieder, dahinter links sieht man den jungen Rudi Riverein, der später ein langjähriges Mitglied des Grenzland Tambourcorps war, dahinter seinen Vater. Die lange Schlange der Beteiligten zeigt die Wichtigkeit des Ereignisses an.

Fräulein Irmgard Linders beaufsichtigte den Festzug, mit dem Ablauf des Geschehens bestens vertraut.
















3. Schulzeit in der katholischen Volksschule in Anholt



Katholische Volksschule Anholt

Anholter















Großartig vorbereitet wurden wir auf die Schule nicht, wer schon etwas lesen, schreiben oder rechnen konnte hatte sich das aus eigenem Willen zu Hause angeeignet.

Vater kaufte den Schultornister – es sei denn, wir übernahmen den Tornister von einem älteren Geschwisterkind, was durchaus üblich war.
Die Entscheidung welche Farbe, Marke, welches Motiv mussten wir nicht treffen! 

Es gab Leder, einfarbig, ein Fach; zum Verschließen entweder mit zwei Schnallen oder mit einem modernen Klickverschluss, zwei Trageriemen, um den Tornister zu schultern. 



Mutter war für den Inhalt verantwortlich: die Schiefertafel mit dem Putzlappen, dem Schwämmchen und dem Griffel. 

Das Lesebuch, das Rechenbuch und natürlich das Pausenbrot, eingewickelt in Butterbrotpapier. 

Am Tag der Einschulung wurden wir zu Hause von Mutter aufgehübscht, bekamen letzte Benimm-Hinweise und – was für uns natürlich das Wichtigste war – die Schultüte!
Nicht selbst gebastelt, aber dafür selbst gefüllt von Mutter mit Süßigkeiten.


Wir saßen auf den alten Bänken die fest mit den Pulten, die noch das Tintenfass in der oberen Leiste hatten, verbunden waren. Da war nix mit Stühle wackeln…

Wir lernten schreiben, Schönschreiben, um genau zu sein.
Buchstaben, einer schöner wie der andere, reihenweise, seitenweise… hefteweise. 

Wir haben gerechnet:
1 + 1 = 2     1 und 1 sind 2,
5 – 2 = 3      5 weniger 2 sind 3,
3 x 3 = 9      3 mal 3 sind 9,
10 : 5 = 2   10 geteilt durch 5 sind 2. 

Unterrichtet wurden wir ebenfalls in Heimatkunde, Musik, Handarbeiten oder Werken, „Turnen“ - Sport und Religion.

 Heimatkunde war in Ordnung, schließlich kannte man all die alten Geschichten von Opa und Oma.

Schloß (eigentlich ja Wasserburg), Schlossgarten, Wall und Stadt waren uns so vertraut wie unsere Westentasche.
Man war halt Anholter mit Leib und Seele!

Musik bedeutete Singen, Noten lernen, Geigenspiel von Herrn Schwitalla.
Als Herr Maillard an unsere Schule kam, lehrte er uns wie man Blockflöte spielte und wenn er uns belohnen wollte, holte er sein Banjo hervor und spielte für uns, eine gern gesehene Abwechslung im Schulalltag. 



Laut Lehrplan der 60iger Jahren wurden die Mädchen in Handarbeit und die Jungen in Werken unterrichtet.
„Pottlappen“ häkeln, also Topflappen, war angesagt.

Den Spaß holte man sich dabei durch die unterschiedliche Farbgestaltung, weiß, rot, grün, gelb und blau standen zur Auswahl. 

Häkelnadel Stärke Nr. 3 war Standart, ebenso wie die verkrampften Finger. 

Auslassen einer Masche veränderte die Form des Lappens, man musste alles wieder bis zum Fehler aufribbeln und neu häkeln. 

Zum Schluss wurde der „Pottlappen“ mit „Mausezähnchen“ verziert.


Wir nähten unterschiedliche Knöpfe an ein Trockentuch, stopften Vaters ausrangierte Socken und versuchten den Kreuzstich auf Schülerleinen.

Die Jungen werkelten mit Holz, bastelten Drachen, bauten kleine Boote… schnitzten, hobelten, sägten. 


Nach Beendigung der Pause mussten wir den kritischen Augen des Hausmeisters während der üblichen „Mattenkontrolle“ standhalten.  

Sicher wird sich daran jeder erinnern.

Disziplin und Erziehung wurden zu jener Zeit noch als vorrangige Aufgaben in der Schule angesehen. 

Wir standen auf, wenn die Lehrperson den Klassenraum betrat und wünschten laut gemeinsam „Guten Morgen“. 

Wir hatten still zu sitzen, dem Unterricht zu folgen und nicht mit dem Nachbarn zu schwätzen. 

Manch einer wird in seinem Zeugnis den Eintrag haben: „ ... stört und schwätz sehr viel!“


Auch wurde das Lineal nicht immer nur zum Ziehen gerader Linien benutzt und der Zeigestock wurde öfter zum „Knüppel aus dem Sack“.


Zum Glück ließ das nach und ist dann generell verboten worden.

Nachsitzen und Strafarbeiten gehörten ebenfalls zu den gängigen Erziehungsmethoden.


Wusste sich der Lehrer nicht zu helfen, bekam man das Nachsitzen aufgebrummt, wurde nach seinem regulären Schulschluss für zusätzliche Stunden in eine andere Klasse gesetzt. 

Hatte man Glück, musste man nur die Zeit absitzen. 

Meinte das Schicksal es nicht so gut mit einem, dann war noch zusätzliche Strafarbeit angesagt.
„Ich darf während des Unterrichts nicht schwätzen“ oder „Ich muss täglich meine Hausarbeiten machen“ musste dann 100 Mal geschrieben werden. 


Religion unterrichtete meistens der katholische Geistliche der Gemeinde. 

Er brachte uns die 10 Gebote und deren Auslegung näher, erzählte von Jesus und Maria, dass Jesus aus Wasser Wein machen konnte…

Turnen war wohl das Lieblingsfach vieler, wobei eine Turnhalle ja nicht vorhanden war.

Unser Sportunterricht fand auf der Schneidkuhle statt. 

Zum Aufwärmen liefen wir Runde um Runde um die Schneidkuhle, wurden anschließend in Mädchen und Jungen aufgeteilt.


Die Jungen spielten Fußball, die Mädchen Schlagball oder Korbball.

Nachdem man sich als Erstklässler eingelebt hatte, war man mit den sozialen Gepflogenheiten der Schule vertraut.


Die älteren Schüler hatten immer den Vorrang, unser Respekt war denen sicher.


Die älteren Mädchen flanierten Arm in Arm in den Pausen auf den Wegen der Schneidkuhle und auch hier kam man besser niemanden in die Quere. 


Ein altes Schülerpult, wohl aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts und eine "Rechenhilfe" - die "Kugelrechenmaschine" ein Abakus.


Beides sind Ausstellungsstücke des Heimatvereins.

Alte Schieferplatten auf die man damals schrieb. Sie erfüllten ihren Nutzen - auch ohne Linien und Kästchen.

 

Hier sehen wir die Griffelmulden und das aufklappbare Tintenfass. 

Wie viele Kinder mögen an diesem Pult gesessen haben.... 






Kniestrümpfe und Lederhosen

                                        … der Frühling ist da!

Kindheit im Anholt der 60iger Jahre
















In den 60iger Jahren waren die Jahreszeiten noch ausgeprägt vorhanden. Winter war  Schnee, Eis und Kälte; Sommer war Sonnenschein, warmes Wetter und das Familienleben fand größtenteils im eigenen Garten, Innenhof oder auf der Terrasse statt. Im Frühling stand die Arbeit im Garten und auf dem Land an. Im Herbst wurde geerntet, eingemacht, geschlachtet – man bereitete sich auf den langen Winter vor. 

 

Stichtag für das lang erwartete Wechseln von Winter auf Frühling/Sommerkleidung war für die meisten Familie das Osterfest, manches Mal sogar schon der Palmsonntag.

Mutter holte dann die Frühlings- und Sommergarderobe hervor, die Wintersachen wurden eingemottet. Oftmals war dafür ein extra Schrank auf dem Dachboden vorhanden, bestückt mit diesen kleinen roten, äußerst kräftig muffig riechenden Mottenkugeln.

Kein Wunder, dass sich da keine Motte heranwagte, den Geruch verliert man nicht aus seinem Gedächtnis.

 

Wie gesagt, der Wechsel auf leichtere Bekleidung war für Ostern angesagt. Kniestrümpfe und kurze Buxen waren nun die angesagten Kleidungsstücke, auch für Mädchen. Wer denn gar nicht anders wollte oder konnte, trug als Mädchen dann eben den leichten Rock oder das von Oma gestrickte Trägerkleid.

Praktischer weise war dieses gestrickte Trägerkleid durch die beiden Trägern höhenverstellbar und das Material Wolle eben dehnbar und somit geeignet, dich auf Jahre hinaus als Kleidungsstück zu begleiten.

 

Um dennoch vor Erkältungen und Blasenentzündungen geschützt zu sein, war mit dem Tragen der kurzen Hosen und der Röcke das Tragen der von Oma und Mutter selbstgestrickten Wollunterhosen Pflicht!

Und das Versprechen, sich immer in der Sonne und niiieeee im Schatten aufzuhalten. Eine Erinnerung, die ich mit meiner Freundin aus der Volksschulzeit teile.

 

Damit es nicht langweilig wirkte, gab es die dann in sämtlichen Farben, passend zu deiner Garderobe. Ein weißes Gummiband sorgte für den Sitz und auch hier galt, die Hose konnte dich deine ganze Kindheit über begleiten, je nach dem wie viel Spiel das Gummiband hatte. Konntest du die neue Wollhose zu Anfang  fast bis unter die Arme hochziehen (Hauptsache, du zogst sie überhaupt an), so saß sie am Ende nach Jahren des Tragens passend auf der Hüfte.

Und auch hier wurden mehrere Geschwister mit derselben Wollhose groß. Nachhaltigkeit wurde damals praktiziert, an die Bedürftigkeit des Krieges erinnerte man sich noch zu genau.

Gummistiefel waren ebenfalls unentbehrliches Schuhwerk wenn wir nachmittags ströpen gingen.

Gleich welches Wetter herrschte, ströpen ging immer. Gummistiefel waren notwendig, denn überall gab es Gräben und Tümpel.

Im Hochsommer kamen noch ein Paar Sandalen dazu, dann war es warm und meistens liefen wir – wir waren ja nicht unter Aufsicht – barfuss. Die Sandalen und Kniestrümpfe legten wir ab, stellten sie an einen sicheren Ort  und zogen sie erst wieder für den Heimweg an.

Turnschuhe – damals noch die blauen aus Stoffe mit den weißen Nähten und der dünnen Gummisohle, trugen wir, wie der Name es schon sagt, nur zum Turnen.

 

Kniestrümpfe gab es damals für Jungen und Mädchen extra, „Unisex“ war unbekannt.

Die Mädchen trugen eben die in den Farben weiß, rosa, rot, hellgelb, hellblau, mit Blümchen ,

gehäkelte mit Spitzenmuster usw. es sei denn, dunkel passte zum Rock.











Die weißen Kniestrümpfe waren aus reiner Baumwolle und wurden mit der Kochwäsche gewaschen, falls das Mädel doch versehentlich in eine Pfütze getreten war.

Das hatte zur Folge, dass gerade diese Kniestrümpfe sich beim Tragen fein in Falten um dein Fußgelenk kringelten.

Die Jungen trugen dunkle Farben, dunkelblau, grün, braun und derbe Muster.

Die kurzen Buxen waren damals meistens Lederhosen, schwarze mit grün abgesetzten Trägern und einem Brustriemen, mit Schnallen höhenverstellbar. Strapazierfähig ohne Ende – nicht kaputt zu bekommen. Gepflegt wurden sie mit einem Baumwolllappen und Lederfett.

Auch für Mädchen gab es eine Ausführung in dunkelrot und an den Trägern waren die Schnallen extra mit Herzchen verziert. 

Sonntags machte man sich besonders fein.

So gab es extra „Sonntagse Kleidung“ die wir eben nur an den Sonn- und Feiertagen anzogen.


 Kinder der Nachbarschaft Gendringer Straße 

 

 Am Sonntagmorgen besuchte die gesamte katholische Familie – nüchtern  ohne Frühstück – die 8:00 Uhr Messe in der St. Pankratius Pfarrkirche. Wer zur Kommunion gehen wollte, musste dies eben nüchtern tun.

Lies das Wetter es zu, kam man aus den Bauerschaften per Fahrrad. Anreise mit dem Auto war unnötiger Luxus.

  

In der Kirche gab es nun eine traditionelle Sitzordnung: rechts und links im Seitenschiff saßen ältere Leute, alleinstehende ältere Frauen, oder Nonnen aus dem Augustahospital, gehbehinderte Menschen, Kirchendiener die mit dem Klingelbeutel die Kollekte einholten.

Im Mittelschiff vorne links saßen in den ersten Reihen die Jungen, im Mittelschiff vorne rechts die Mädchen.

Dann folgten die erwachsenen Frauen. Nur alte und behinderte Männer saßen in den Bänken. Die Männer standen hinten hinter den Sitzbänken, vor den großen Glastüren die den Gebetsraum vom Foyer trennen.

Hinten gab es dann beidseitig noch die Kapellen, rechts die Marienkapelle, links die Taufkapelle.

 

Nach der heiligen Messe wechselten wir kurz ein paar Worte mit Familie, Freunden und Bekannten und gingen dann heim zum Frühstück.

Diejenigen, die um 10:00 Uhr die Messe besuchten, gingen als Familie zwar gemeinsam hin aber getrennt zurück. Die Männer und erwachsenen Jungen der Familie absolvierten den sonntäglichen Frühschoppen in einem der Gasthäuser und fanden  erst zum sonntäglichen Mittagessen nach Hause.

 

Zu hause durften wir  in unsere geliebten Alltagskleider schlüpfen,  im Garten im eigenen Hinkelpott mit der sandgefüllten Erdal-, Atrix - oder Niveadose hinkeln, im Sandkasten oder auf dem Rasen Fußball und Kopfball spielen und mit den Puppen und Puppenwagen unseren eigenen Sonntag zelebrieren.

 

 5. Lesen ist ein Abenteuer!














Kurt Flanz! 

Erinnert ihr den gutmütigen, älteren Herrn mit der sanften Stimme? 

Stets hatte er ein Lächeln auf dem Gesicht. 

Generationen von Anholter Kindern haben ihn schätzen gelernt. Ihn und sein Bemühen, jedem von uns den gewünschten Lesestoff zu bieten. 

 Trotz beengter Räumlichkeiten auf der Gendringer Strasse,  hatte er ein gut sortiertes Angebot an Büchern. In den Regalen standen Kinder - und Jugendbücher, Liebesromane, Krimis, Kochbücher, Handarbeitsanleitungen aber auch Sagen und Märchen, Legenden und vereinzelt auch Sach - und Fachbücher, sowie jede Ausgabe des Jahrbuches des Kreises Borken. "Dicke Schinken" mit Texten und Fotos über Anholter Geschichte durften auch nicht fehlen. 

 Gehbehindert durch eine Kriegsverletzung, war er in den engen Räumen auf die Mithilfe älterer Mädchen angewiesen, ihm die Wege in den beengten Räumlichkeiten abzunehmen, wenn zurück gebrachte Bücher wieder in die Regale einsortiert werden mussten. 

 Es war schon eine Ehre, wenn man den Büchereidienst bei Herrn Flanz versehen durfte. 

 Wir lasen Bücher wie: das hässliche Entlein, Grimms Märchen, 1.000 und eine Nacht, Goldköpfchen, Hanni und Nanni; Schneider Bücher mit jugendlicher Thematik - die Mädchen über die ersten Romanzen, die Jungen lasen Abenteuer Geschichten von Indianern und Cowboys, alten Rittern, Piraten und Fussballern. Unsere damalige Erziehung lief noch sehr geschlechtsorientiert ab. 

 Die auszuleihenden Bücher wurden von Herrn Flanz in unser persönliches Büchereiheftchen mit Registernummer und Rückgabedatum eingetragen, der Ausleihzeitraum umfasste meist 4 Wochen. Den Titel des Buches mussten wir selber vor dessen Rückgabe hinzufügen. Hatte man das Buch zum Abgabetermin nicht ausgelesen, so konnten wir es verlängern lassen. Kritisch wurde es, wenn man den Abgabetermin um Wochen verschluderte. Dann war Strafe zahlen angesagt. Aber immer nur geringe Beträge, die wir mit unserem Taschengeld begleichen konnten. 

Mit Sicherheit gibt es einige Leseratten unter euch die behaupten können, nahezu alle Bücher der Bücherei gelesen zu haben! 



Kinderkommunion in Anholt

Die 1. Heilige Kommunion war früher für uns Kinder und unsere ganze Familie eine große Sache.

Fast alle Kinder der Klassen des entsprechenden Jahrgangs, es war der 3.,gingen früher gemeinsam zur 1. Heiligen Kommunion in Anholt, oftmals über 50 Kinder.

Außerhalb des Schulunterrichts wurden wir durch freiwillige Katecheten der Pfarrgemeinde unterrichtet. Den letzten Schliff bekamen wir von Pfarrer Wilmsen. Von ihm bekamen wir den Beichtunterricht und er erklärte uns die Wichtigkeit der 10 Gebote.

In der Kirche übten wir dann gemeinsam das Beichten. Über 50 Kinder waren zu diesen Beichtübungen anwesend! Mädchen und Jungen, in Bankreihen getrennt voneinander sitzend und betend. Das „Vater Unser“ und das „Ave Maria“….

Wenn man es denn auswendig daher sagen konnte. Dafür hatten meistens die Mutter oder die Großmutter daheim gesorgt. Zur damaligen Zeit sprach man auch noch fast in jedem Haus das Tischgebet.

50 Kinder ließen sich auch zur damaligen Zeit nicht wirklich über Stunden in der Kirche stillhalten. Darum standen wir unter Aufsicht! Meistens war Frau Ringert anwesend und mit Hingabe bei der Sache. Es gab kein unvorbereitetes Kommunionkind in unseren Reihen! Jede*r von uns beherrschte nachher das Beichten perfekt. Wir kannten die 10 Gebote nach denen wir unsere Beichte ausrichteten und die Gebete zur Buße, das Vater Unser und das Ave-Maria.

Die 1. Heilige Kommunion war bei den katholischen Anholten eine sehr wichtige Angelegenheit. Da verstand man keinen Spaß, letztendlich war daran die gesamte engere und weitere Familie beteiligt.




















Das obige Foto zeigt die Kinder, die 1959 zur Erstkommunion gingen.

Um dem ganzen Geschehen auch den würdigen Rahmen zu geben, wurde meistens vorher noch das heimische Wohnzimmer renoviert, gemalert oder tapeziert. Die Teppiche kamen nach draußen, wurden auf dem Rasen geschrubbt, die Gardinen und Vorhänge gewaschen, die weiße Tischwäsche hervorgeholt, das gute Porzellan auf den Tisch gestellt. Wir hatten eins mit Goldrand, mit extra Tassen für Tee und Kaffee und Großmutters gutes Silberbesteck komplettierte die Festtafel.

Eine strenge Gästeliste, nach der unsere Verwandten zum Familienfest eingeladen wurden, regelte mitbestimmend den Tagesablauf. Meine Eltern, Bruder und Schwester, meine beiden noch lebenden Großmütter und ein Großvater bildeten die Kernfamilie. Zu jener Zeit waren oftmals die Großeltern die Taufpaten, die selbstverständlich an der kirchlichen Kommunionfeier teilnahmen. Bei mir war es die Großmutter väterlicherseits und der Großvater mütterlicherseits. In der Pfarrkirche wurde somit für unsere Familie Platz für 8 Personen gehalten, oder sogar 2 Bänke? Es standen an den Seiten noch genügend Kirchenbänke, damals legte man noch Wert auf den Kirchenbesuch und lauschte sonntags der sorgfältig verfassten Predigt des Pfarrers.

Wie gesagt, die Sitzplätze in der Kirche waren nach reserviert und frei gekennzeichnet und auch die weitere Verwandtschaft fand Platz. In den Seitengängen und im Eingangsbereich waren ausgiebig Stehplätze vorhanden.

Beizeiten ging es am Feiertag morgens zur Kirche, nüchtern ohne Frühstück da wir ja den Leib des Herrn empfangen würden. Für 8:00 Uhr war der Festgottesdienst angesetzt. Die Kommunionkinder mussten dazu ihr Kommunionkleid oder den Kommunionanzug anziehen. Auch die anderen Teilnehmer trugen ihre guten Kleidungsstücke, der Schmuck war angelegt und die Schuhe auf Hochglanz poliert.

Genau kann ich den Hergang der kirchlichen Feier nicht mehr erzählen, dazu war ich zu aufgeregt das alles genau wir geplant verlief. Als der Festgottesdienst vorbei war, hatten meine Klassenkameraden, Freunde und Freundinnen alle ein befreites Lächeln auf dem Gesicht.

Zu Hause brach dann kurzzeitig die Hektik aus, wir mussten kurz frühstücken bevor es jemandem vor Hunger schlecht wurde. Zwischendurch bekam ich die Geschenke meiner Paten überreicht. Mein Großvater schenkte mir die 1. Armbanduhr meines Lebens und meine Großmutter ein Kettchen mit einem goldenen Kreuz zum Umhängen.

Immer wieder klingelte es an der Haustüre und Freunde und Bekannte brachten ebenfalls kleine Geschenke zu meiner 1. Heiligen Kommunion vorbei und bekamen als Dankeschön eine Tafel Schokolade überreicht.


Gegen Abend war mein Gabentisch voller Alpenveilchen, Rotkäppchen Saft, Buntstiften usw. Ab und zu auch ein kleines Scheinchen, was mich umso mehr freute. Die großen Geschenke waren damals nicht üblich. Außerdem konnte sie sich niemand leisten.

Nach dem Mittagessen kamen nun die anderen, mir wichtigen Gäste. Meine Cousins und Cousinen von der Gendringer Straße mit ihren Eltern, meine Onkel aus Bocholt und Krefeld mit dessen Familien. Und aus Bocholt, die Geschwister und Schwäger meiner Großmutter, die brachten Stimmung mit, denen war nicht bange vor dem einen oder anderen Schnäppsken. Auch dass mein Cousin beim Nachfüllen den Zucker mit dem Salz vertauschte tat der guten Stimmung am Kaffeetisch keinen Abbruch, das Schnäppsken spülte den bitteren Geschmack schon weg. Man freute sich eben, dass man beisammensaß und im Kreise der Familie von den alten Zeiten erzählte.

 

Nachmittags, so zwischen Mittagessen und Kaffeetafel war um 15:00 Uhr Festandacht für alle Kommunionkinder und deren Familien in der Pfarrkirche. Nach der Messe gab es für jedes Kommunionkind ein Geschenk der Pfarrgemeinde, ein Bildnis von einem christlichen Geschehen und auf der Rückseite stand das Datum des Festtages.






Am anderen Tag, einem Montag und somit einem Werktag, war morgens um 9:00 Uhr gemeinsame Messe der Kommunionkinder mit den Angehörigen, die dafür abkömmlich waren. Danach war für die Kommunionkinder noch schulfrei.

Die Jungen, die die nun zur 1. Hl. Kommunion gegangen waren, konnten jetzt Messdiener werden. Mädchen übten dieses Amt in den 60iger Jahren noch nicht aus.

Die Mädchen und Jungen durften allerdings zu Fronleichnam und zu Allerheiligen zur Prozession wieder ihre Kommunionkleider anziehen und als Engelchen die Prozession begleiten. Für die Kommunionkinder eine große Ehre die wir gerne wahrnahmen.

Alles in Allem - wir hatten immer Spaß wenn die Familie zusammenkam und das hat sich bis heute nicht geändert.


 


An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, denen von Euch zu danken, die mit mir  während der Vorbereitungen für diese Erzählungen in unserer Vergangenheit herumstöbern und so manche Geschichte und Fotos beisteuern. Lieben Dank meinen Cousinen und meiner Schulfreundin Marlies Holt, die einen nicht enden wollenden Vorrat an vergangenen Erlebnissen aus ihrem Gedächtnis hervorholen kann. Auf weitere, gute Zusammenarbeit!






Impfzentrum Volksschule Anholt




Heute stoße ich eure Erinnerung an, um die Gedanken an die allseits gefürchtete Impfkampanje zu unser Volksschulzeit ins Gedächtnis zu rufen. 😄 

Auch damals kämpften wir gegen Viren und waren letztendlich erfolgreich.

Der heitere Ton dieser Erzählung soll in keinem Fall über die Ernsthaftigkeit des Themas hinwegtäuschen. 



Erinnert ihr den großen, zu einer fahrenden medizinischen Praxis umgebauten Bus vom Kreis Borken? 

Klar, wir wussten von dem Impftermin, letztendlich mussten wir von den Eltern unterschriebene Zettel wieder dem Klassenlehrer*in vorlegen, mit dem sie der Impfung von ihrem Kind zustimmten.


Wie gesagt, auf dem Schulhof parkte der medizinische Bus vom Kreis Borken und allein dessen bloßer Anblick verursachte bei einigen von uns das große Zittern 😱 und ein gewisses Maß an Übelkeit.

Tränen flossen, Rufe nach den Eltern wurden laut.

Aber das Verhalten stiess bei dem medizinischen Personal auf taube Ohren. Unerbittlich und in alphabetischer Reihenfolge wurden wir aufgerufen in den Anbau des Erdgeschosses einzutreten, da hinein, wo sonst die großen Landkarten aufbewahrt wurden.

Den linken Oberarm hatten wir frei zu machen und der Ärztin zum Nadelstich hinzuhalten.

Es war auch furchteinflößend, sahen wir beim Eintreten, wie die wirklich große Spritze 💉 in den Oberarm des Vorgängers gerammt wurde. War die nötige Dosis verabreicht, durfte der/die Geimpfte aufatmend wieder den Raum verlassen.

Während dessen hielt die Ärztin die Nadel der Spritze über eine offene Flamme, um sie so zu desinfizieren und das nächste anstehende Kind in der Reihe damit zu impfen.

Genau so lief das ab und wir waren dem alleine ausgeliefert, ohne Begleitung durch die Eltern. Da schimmerten noch leicht die Erziehungsmethoden vergangener Zeiten durch... heute völlig unvorstellbar.



Auch die Pocken-Impfung wurde durchgeführt. Den Impfpass in der Hand standen wir wieder Schlange im Flur. Wir scherzten und redeten miteinander um unsere Angst zu beherrschen. Dieses Mal mussten wir beide Oberarme frei machen. So kontrollierte das medizinische Personal, ob die erste Pocken-Impfung bei jedem angeschlagen hatte, was durch die beiden nahe beieinander liegenden runden Narben deutlich wurde. Diese Narben kamen durch das Einritzen in den Oberarm mit einer Lanzette was den Impfstoff unter die Haut in die Blutbahn brachte.


Die Tetanus Impfung war auch spannend. Dazu mussten wir uns einzeln, mit einem frei gemachten Oberschenkel, auf der Seite liegend dem Arzt präsentieren. Und das auf unserem Tisch, auf dem sonst unsere Schulbücher Platz fanden. Das Bild ist mir bis heute unverrückbar im Gedächtnis.

Der Arzt "stempelte" uns sozusagen, indem er einen viereckigen, mit kleinen Nadeln übersäten Metallkopf auf unseren Oberschenkel drückte um den vorher dort aufgetragenen Impfstoff unter unsere Haut zu bringen.


Am selben Tag mussten die älteren Schüler*innen zum Röntgen noch in den Bus.

Was waren wir froh, das uns jüngeren Kindern  das noch einige Zeit erspart blieb.





Die einzige angenehme Impfung war die gegen Polio, gegen Kinderlähmung. Das war eine Schluckimpfung. Die Medizin wurde auf einen Zuckerwürfel geträufelt den wir dann zu uns nahmen.

Vielleicht ist euch noch das Motto dieser großen Impfkampagne bekannt: 

Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süss!










"Autoselbstfahrer" und gebrannte Mandeln

Pfingstkirmes im Städtchen 







Für viele Generationen Anholter Jugend war die Pfingstkirmes der Höhepunkt des Jahres.
„Halli Galli für 3 volle Tage“. 

Während dieser Zeit war unser Lebensmittelpunkt die Kirmes auf der Schneidkuhle.

Schon um Weihnachten rum begannen viele von uns, jeden Pfennig und Groschen vom Taschengeld für die Kirmes beiseite zu legen. Es wurde gespart!

Vorzugsweise wurde das Geld in einem alten Marmeladenglas gesammelt. Durch das Glas hindurch hatte man direkt sein Geld im Blick und konnte sich stets davon überzeugen, dass noch alles da war und sich, günstiger Weise, stetig vermehrte!

Richtig los ging es für uns Kinder als dann, einige Tage vor Pfingsten, morgens unser Klassenlehrer mit einem fremden Kind an seiner Seite zum Unterricht in der Klasse erschien. Das Kind gehörte zu einer der Schaustellerfamilien, die mit ihrem Geschäft zur Anholter Kirmes anreisten. Und wir fanden es einfach soooo toll und aufregend und so entstanden Freundschaften, die über Jahre hinweg Bestand hatten.

Als erstes fuhren  die großen Lkw der Familie Tovar vor, die zeitig zum Aufbau des Autoskooters anreisen mussten.

Etwas später lieferten andere LKW die Bauteile der Raupe. Und das Kinderkarussell, mit dem jede/r kleine Anholter*In von euch die Runden gedreht hat.

Die Losbude, "jedes Los ist ein Gewinn...!" mit all ihren Preisen und vor allem den Stofftieren, die die weibliche Verwandtschaft für dich zusammen gewann. Lose wurden gesammelt, ausgetauscht und gekauft bis die gewünschte Punktzahl für das auserkorene Objekt erreicht war.

Es gab die meterlange Plüsch-Würgeschlange, ausgestopft mit Holzwolle, oder die große Puppe mit den klimpernden Augen, die auf Jahre hinaus ihren Platz auf deinem Bett hatten.

Angesagt war auch die Fahrt in der Raupe, gute Musik und die richtige Gesellschaft machte gute Laune und wenn gegen Ende der Fahrt das Verdeck herunter ging...ihr wisst selber, was dann los war.

Vater war mit uns an der Schiessbude zu finden und so manche Kunstblume hat in den Anholter Haushalten die Jahre überdauert. Entweder wurde sie in dem Kinderzimmer hinter ein Bild gesteckt, sichtbar als Trophäe, oder Mutter und Oma wurden damit beschenkt.

Das Kettenkarussell, das mitten auf dem Kirmesplatz stand war was für Mädchen. Jungs war das Kreiseln in der Luft zu langweilig. Und man tat gut daran, nicht unter den fliegenden Menschen herzulaufen, der eine oder andere verlor die Haltung und das Gegessene.


Der Autoskooter war das angesagteste Fahrgeschäft unserer Kirmes. Schon als Kleinkind wurdest du auf der Sitzbank des Zweisitzers platziert, die Schlaufe, die an der Stromstange angebracht war, wurde dir um den Leib gelegt, die Anweisung: „Halt dich gut fest!“ kam und ab ging die Fahrt!

Laute Musik regte den Blutdruck und die gute Laune an und so manche Fahrt wurde in diesen flotten Zweisitzern absolviert. Wichtig war, dass man als Jugendliche möglichst viele Autos, in denen Freunde saßen, mit seiner eigenen Fahrweise in die Enge trieb und recht heftig mit dem eigenen Auto in dessen Breitseite fuhr.

So manche Karambolage verursachte blaue Flecken ohne Ende und alle Knochen taten dir noch tagelang weh!
Abends machten wir uns auf den Weg nach Hause, eine Tüte mit gebrannten Mandeln in der Hand für Mutter, die die Gabe freudig in Empfang nahm und mit einem Zwinkern im Auge, dir wieder, fast heimlich, Geld in die Hand drückte mit einem Flüstern: " Kirmesgeld für morgen!" 



Wer sich für den geschichtlichen Hintergrund unserer Pfingstkirmes interessiert, der klickt auf 

Geschichtlicher Hintergrund






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Biotop Wildpark 

Anholter Schweiz


Die Anholter Schweiz, so wie wir sie früher in den 60iger Jahren kannten, gibt es heute nicht mehr.

Vielmehr hat sie sich recht vielfältig entwickelt.



Einige von uns erinnern die Anholter Schweiz noch als sich selbst überlassenes Stück Land nach dem 2. Welt - Krieg.

Auch hier hat es einige Zeit gebraucht, bis wieder eine ansprechende Parklandschaft gestaltet war, es gab wichtigere Projekte die Vorrang hatten.





„Fürst Leopold zu Salm-Salm (1838-1908) ließ 1892-1900 einen Park anlegen, der den Charakter in Form einer Felsen-, Stein- und Alpinanlage hatte.

(Architekt war E. Finken aus Köln)



Der Park erhielt künstlich angelegte Felsformationen nach dem Vorbild des Vierwaldstätter - Sees. (Verantwortlich war der Grottenbauer J. Biesenbach).

Im Zentrum der großen Anlage wurde ein original schweizerisches Haus (1893) errichtet, das frühest bekannte Fertigbauhaus in Westfalen.“

Zitiert Historische Punkte Anholt,  Nr. 50. 

Schon immer war der „Leopoldspark“, so wurde er im Volksmund genannt, ein beliebter Treffpunkt für Verliebte. Verbotener Weise, muss man sagen, denn der Park war eigentlich Privatbesitz. Aber, was bedeutete schon ein Zaun für einen Anholter – er war dazu da, überwunden zu werden.

In den 60iger Jahren war der Park auch Spielplatz für uns Kinder. Mit dem Rad waren wir schnell vor Ort und die Felsen waren ein echter Anziehungspunkt.




Heimische Artenvielfalt der Pflanzen - und Tierwelt lassen in der heutigen Zeit Kinderaugen wieder glänzen und den Familienausflug zu einem erlebnisreichen Abenteuer werden.

Das zeigen die vielen tollen Tierfotos auf der Homepage der Anholter Schweiz, die Fotos von Wildschweinen, Damwild, Füchsen, Wölfen, Dachsen, Luchsen, Eulen, Pfauen, Ziegen, Eseln....




Wobei -  Esel ist ja hier das Stichwort!



Wer erinnert sich nicht an die Esel, die dich schon im Auge hatten, wenn du nach dem Eingangsbereich am Futterautomaten eine der grünen Futter – Packungen für 1,00 DM gezogen hattest.

Spätestens beim Fallgeräusch der Futterpackung in den Ausgabeschacht hattest du ihre volle Aufmerksamkeit.

Jetzt musstest du entweder selber unerschrocken der Herde entgegen treten oder hoffen, dass deine Eltern sich schützend zwischen dich und die Futter – versessenen Esel stellten.




Irgendwie ging aber immer alles gut und nach der ersten Begegnung mit den Eseln war das erste Gehege  schnell erreicht...immer der Nase nach, erinnert ihr euch?

Das Gehege der Wildschweine war der erste große Anlaufpunkt. Wenn man Glück hatte, war ordentlich was los und die gesamte Rotte suhlte sich in dem großen Schlammloch. Waren gerade Ferkel zu sehen waren wir begeistert.




Danach erreichten wir das größere Gehege mit den Ziegen und Steinböcken.

Meistens mussten wir hier schon unseren Futtervorrat erneuern.

Auch die Ziegen waren bestens mit dem Futterautomaten vertraut.

Jetzt konnten wir zu den Ziegen ins Gehege.

Fix mussten wir sein,  recht schnell durch das Tor schlüpfen, durch dass das Ziegengehege vom restlichen Park abgetrennt war.


Hatten wir das  Ziegengehege  hinter uns gelassen, gelangten wir unmittelbar zu den niedlichen Kaninchen und Meerschweinchen.

Gut, dass unsere unschuldigen Kinderseelen nicht wussten, dass hier das Lebend- Futter für Füchse, Mader und Greifvögel vor uns durchs Gehege lief.

Wer wollte und unerschrocken war, konnte im Anschluss daran dann in das große Gehege mit dem Damwild und Eseln. 




Der allgemeine Rundgang führte uns nun an den Füchsen vorbei, die - wenn man Glück hatte, in ihrem Außengehege gerade im Gras ein Beutetier fraßen.

Auch hier konnten wir die Füchse „riechen“.







Und dann waren wir da, unser erster Hügel, unsere ersten Felsen. Und die Ermahnungen unserer Eltern: "Nicht über den Zaun!"

Klar krochen wir unter den Zaun durch und kletterten in den Felsen herum.

Felsen waren zum Klettern da, das wussten wir von Luis Trenker aus dem Kinderfernsehen.

Der saß im Fernsehen nämlich immer auf einer Bergattrappe und erzählte mit Händen und Füßen, wie er jeden Berg hoch und runter geklettert war.


Beliebteste Kletterstrecke war der große Felsen gegenüber vom Schweizer Häuschen.

Das war ein kleines Abenteuer.

Im Schweizer Häuschen gab es nach dem Spaziergang nun den wohlverdienten Imbiss, Kaffee und Kuchen für die Erwachsenen, für die Kinder  leckere Pommes.

Während die Erwachsenen noch gerne einige Zeit am Tisch verweilten, hatten wir unsere Freude an die vielen Fischen, die wir von der Brücke aus sehen konnten.


Am Ausgang beobachteten wir zum Abschluss noch einmal die flinken Eichhörnchen, die in ihrem Käfig hin und her flitzten und von Ast zu Ast sprangen.

Schön war's schon damals, in der Anholter Schweiz.

https://www.anholter-schweiz.de/de/


PS

Unser Dank an Frau Monika Westerhoff Boland für das Überlassen der Fotos, sowie an die Fotografen und Fotografinnen dieser beeindruckenden Bilder.


Aus der Reihe Kindheit im Anholt der 60iger Jahre, Heimatverein Anholt, Karin von Plettenberg Vallée, September 2021

Das Urheberrecht für die Fotos liegt beim Biotop Wildpark Anholter Schweiz, sowie den genannten Fotografen. Eine Vervielfältigung bedarf deren Genehmigung.


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