175 Jahretverein AnhoHeima lt   
     

Festakt  27. August 2022

675 Jahre Stadtrechte in Anholt

                   160 Jahre St. Pankratius Pfarrkirche

                                75 Jahre Heimatverein Anholt

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675 Jahre Stadtrechte in Anholt




Die vormalige Residenzstadt Anholt blickt auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück, in  enger Verbundenheit mit der Wasserburg  Anholt, deren Existenz erst die Entstehung der  Ansiedlung Anholt begründete.


675 Jahre durchaus liberaler Stadtgeschichte, geprägt durch kulturelle und soziale Vielfalt.  
Nicht umsonst nannte man Anholt 

"Die Perle des Westmünsterlands".







160 Jahre Pfarrkirche Sankt Pankratius, Anholt

  1862 erfolgte die Weihe der neuen Pfarrkirche Sankt Pankratius zu Anholt.  
Eine außerordentliche Spende von 50.000 Goldmark der Johanna Teroerde bildete den  Grundstock. Weitere Zuwendungen der fürstlichen Familie zu Salm - Salm und finanzielle  Unterstützung durch viele Anholter ermöglichten den Neubau.
Das imposante, ursprünglich mit  2 Türmen ausgestattete Gotteshaus, im romanischen Basilika Stil erbaut, ist weithin bekannt  und gern gesehener Anlaufpunkt für Gläubige und Touristen. Die künstlerische Ausgestaltung  und Ausmalung der Kirche, lädt den Besucher zum meditativen Gebet und Verweilen ein.  

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75 Jahre Heimatverein Anholt

 

1947 gründeten beherzte, in die Zukunft blickende Anholter den Heimatverein Anholt.
Stellvertretend für viele 1947 nicht mehr existierende Kulturvereine hat man sich während der  Gründungsversammlung zur Aufgabe gesetzt, Brauchtum und Tradition Anholts weiterzuführen,  die Stadt und ihre Umgebung zu pflegen, - kurzum, der Stadt wieder ein Gesicht und den  Menschen wieder eine gemeinsame Aufgabe zu geben.
Mit seinen diversen Veranstaltungen im heutigen Jahresverlauf hält der Heimatverein  Brauchtum und Tradition aufrecht nach dem Motto:
"Altes bewahren - Zukunft gestalten".  
Durch die Radtouren, die Organisation und Durchführung der Umzüge zu Palmsonntag und  Sankt Martin sowie in der Vorweihnachtszeit "Advent im Heimathaus", um nur einige Veranstaltungen zu nennen, verwirklicht der Heimatverein diesen Grundsatz des einvernehmlichen Miteinanders.


Planung und Organisation
Festakt Jubiläen 2022 in Anholt

2022 – das Jahr der bedeutenden Jubiläen in Anholt.

Das älteste Jubiläum kann die alte Stadt Anholt feiern: 675 Jahre Stadtrechte in Anholt.
Dem folgt das Jubiläum der jetzigen katholischen Pfarrkirche Sankt Pankratius, Anholt mit 160 Jahren.
75 Jahre Heimatverein Anholt – auch ein bedeutendes Jubiläum eines bedeutenden Vereins im heutigen Anholt.



Wahrzeichen des Städtchen Anholts ist seit Jahrhunderten, seit 1567, das historische Rathaus am Markt.
Das Gebäude wurde errichtet, um als Haus der Anholter Bürger zu dienen.
Es beherbergte zum Beispiel die Stadtwaage, diente als Gericht und in den unteren Räumlichkeiten war ein Gasthaus untergebracht.
Die 7 Türmchen am Giebel des Rathauses symbolisierten die 6 Schöffen und den Bürgermeister der Stadt.




Im Jahre 1851 wurde in Anholt auf dem Wall der Grundstein für die jetzige Pfarrkirche Sankt Pankratius gelegt.

Um das Gebäude dort errichten zu können, musste der Wall an dieser vom Pfarrer und Bischof ausgesuchten Stelle aufgeschüttet und verbreitert werden. Dazu nahm man den Sand der großen Sanddüne in der Nähe der Anholter Mühle.
Die alte Stadtkirche, die keine 10m von dem neuen Gebäude stand, wurde nach Fertigstellung des Doms abgerissen.






Aus einer Protokollaufzeichnung des Heimatvereins Anholt, aus dem Jahre 1928 geht hervor, dass es in dieser Zeit Komitees in Anholt gegeben hat, die sich für Heimatpflege, Tradition und Brauchtum einsetzten und Aufgaben wahrnahmen, die heute noch vom Heimatverein weitergeführt werden.
Unter den Beteiligten finden sich so in Anholt gut  bekannte Namen wie Delere, Reimer, Schulte, Vennemann, Wickering, Achterhoff und Driever.

Mit Beginn der Hitlerzeit und in den anschließenden Kriegswirren wurde die heimatverbundene Tradition unerbunden und zurückgedrängt. Ausschlaggebend für die erneute Gründung des Heimatvereins nach dem 2.Weltkrieg war sicher auch die 600 Jahr-Feier der Stadt Anholt 1947. Heimatverbundene Frauen und Männer fanden sich zusammen, und am 20.Juli 1947 kam es zur offiziellen Gründungsversammlung.
Ende 1947 hatte der Heimatverein bereits 118 Mitglieder. Aus den Protokollen und Jahresberichten aus der damaligen Zeit ist zu erkennen, dass die Mitglieder intensiv zum Wiederaufbau der völlig zerstörten Heimat beitrugen.



Die Stadt Isselburg, der Heimatverein Anholt und die Pfarrei Sankt Franziskus (Pfarrei Sankt Pankratius Anholt), haben sich Anfang des Jahres 2022 zusammengefunden, um die vorher genannten anstehenden Jubiläen mit einer gemeinsamen Veranstaltung zu begehen.
Das Organisationsteam einigte sich auf eine Fotoausstellung und gleichzeitigem Festakt.
Ein Ort wurde schnell gefunden: die Sankt Pankratius Pfarrkirche mit Kirchenvorplatz.
Der Hausherr, Pfarrer Klaus Winkel, erklärte sich dazu bereit, die Kirche für einen Zeitraum von 4 Wochen als Ausstellungsort der Fotoausstellung, als Ort für den Festakt der zu begehenden Jubiläen bereitzustellen. Auch der Kirchenvorplatz durfte als Veranstaltungsort für die anschließende Feier mit Biwak genutzt werden.


Die Männer der Gruppe Grün vom Heimatverein Anholt trugen die Stellwände vom Depot im Heimathaus an der Hohen Straße zu St. Pankratius Pfarrkirche und montierten sie dort, so dass die Stellwände dort direkt mit den Fotos bestückt und gestellt werden konnten.


Das Aufhängen der Fotos am Abend zuvor in der Kirche.  

Maria Nehling, Stadt Isselburg        Dirk Hünting, Küster     

Sascha Faltin, Karin Plettenberg Vallée    Heimatverein Anholt


Die Fotos werden in durchsichtige Taschen gesteckt und mit Haken an den Stellwänden befestigt.

Der Küster der Sankt Pankratius Kirche, Dirk Hünting, versorgte uns mit Wasser und Kaffee, bei dem Wetter eine willkommene 
Erfrischung.




Am Tag des Festakts und der Ausstellungseröffnung kamen die geladenen Ehrengäste und Bürger und nahmen in der Kirche Platz.
Langsam und stetig füllten sich die vorhandenen Sitzplätze.









An der Kirchenpforte begrüßte, unter anderem,
Tina Schumacher von der Stadt Isselburg (Organisationsteam) die geladenen Gäste.




v. links:

Bürgermeister Michael Carbanje
1. Beigeordneter Thomas Horster
Dina Deckers
Tina Schumacher



Eine Abordnung des Offizierscorps der Anholter Bürgerschützen, sowie eine Delegation der Spielleute des Grenzland Tambourcorps Anholt, nahm ebenfalls am Festakt teil.


Sitzend, von links:
Dr. Volker Tschuschke
Historiker und wissenschftl. Mitarbeiter
des Kult Westmünsterland,
S.D. Fürst zu Salm – Salm


Sitzend im Hintergrund, v. links:
Thomas Kerkhoff
Bürgermeister von Bocholt,
Anton Stapelmann
Bürgermeister von Aalten NL




Maria Nehling, Mitarbeiterin Stadt Isselburg, Fachbereich Archiv (Organisationsteam), moderierte durch den Festakt und begrüßte alle Anwesenden.



Der Pfarr-Cäcilienchor und das Saxophon – Quartett der Musikschule (unter der Leitung von Uwe Renting) begleiteten den Festakt musikalisch und gaben der Veranstaltung einen festlichen Rahmen.




Der Hausherr, Pfarrer Klaus Winkel begrüßte die Anwesenden zum Festakt in der Kirche und wünschte allen Teilnehmern einen schönen Tag.



Bürgermeister Michael Carbanje sprach in seiner Rede alle 3 Jubiläen an, mit besonderer Betonung auf das Motto der gesamten Veranstaltung:
„ Das Alte bewahren – Zukunft gestalten!“



Besonders still wurde es im Raum, als Maria Nehling auf ein Ereignis Ende der 60iger Jahre zu sprechen kam: auf den Absturz eines Starfighters im Vehlinger Wald:

„ Wer war eigentlich Hero Hendrikus Musch ?
Fast niemanden von uns sagt dieser Name etwas.
Doch von diesem Mann hing am Montagvormittag, dem 22. September 1969 sehr vieles ab. Nämlich das Leben wahrscheinlich vieler Menschen hier in unserem Stadtgebiet.
Er war Pilot bei der Niederländischen Luftwaffe, dort beim Starfighter Geschwader, der Luftwaffenstützpunkt in Volkel nahe Nimwegen. Er galt als sehr erfahrener Pilot.
An jenem Morgen war er mit seiner Maschine F 104 G mit der Nummer D 6671 gegen 11.00 Uhr gestartet.
Da ahnte in Anholt und Umgebung noch niemand, was sich etwa 10 Minuten später hier ereignen sollte.
Was genau unterwegs geschah, wird unbekannt bleiben.
Hero Musch setzte keinen Notruf ab, als sein Starfighter mit einer Rauchfahne in sehr niedriger Höhe eine Schleife über Anholt und Isselburg flog und im Vehlinger Wald abstürzte.
Auch hat er seinen Schleudersitz nicht betätigt, - um das Flugzeug nicht unkontrolliert irgendwo abstürzen zu lassen?? – Evtl. über Anholt.
Dazu gibt es Berichte von damaligen Augenzeugen. Sicherlich hätten damals einige Menschen ihr Leben verloren.
Hero Musch verlor sein Leben in seinem Flugzeug, hier in der Nähe, im Alter von nur 39 Jahren. Er hinterließ seine Ehefrau, seine beiden Söhne Neide und Eilt sowie die kleine Tochter Ina. Er kehrte an diesem Montag nicht wieder nach Hause zurück. Seine Familie erfuhr lediglich, dass er in Deutschland nahe Isselburg abgestürzt sei. Es gab so gut wie keine Informationen für die Familie, aber auch hier in der Umgebung der Absturzstelle blieben die Einwohner im Unklaren.



Marianne Meyer, Vorsitzende des Heimatvereins Anholt, hielt nachfolgende Rede

Werte Anwesende, werte geladene Gäste, liebe Mitveranstalter, ein herzliches Willkommen Durchlaucht.
Der Heimatverein Anholt blickt voller Stolz auf 75 Jahre lebendige Vereinsgeschichte zurück.
Als 1947 der Verein aus der Taufe gehoben wurde, hatte gerade zu jener Zeit das Wort Heimat für die Menschen eine besondere Bedeutung.
Man befand sich im Jahr 1947!
Zwei Jahre zuvor  fand der  verheerende 2. Weltkrieg endlich ein Ende.
Viele Anholter Familien hatten Tote und Gefallene zu beklagen, fast alle Gebäude des historischen Anholter Stadtkerns waren zerbombt oder schwer beschädigt.
Wie durch ein Wunder blieb das historische Rathaus verschont und hatte nur kleine Einschüsse zu vermelden. So wurde dieses Rathaus wieder einmal ein Zeichen der Widerstandskraft der Bürger Anholts.
Viele Anholter hatten ihr Zuhause verloren.
Aber unmittelbar nach Kriegsende wurde unverzagt  mit dem Wiederaufbau begonnen.
Die Anholter wollten in der Heimat bleiben und vertrauten darauf, hier auch eine Zukunft zu haben.
Obdachlose, ausgebombte  Anholter kamen bei Verwandten in den umliegenden Bauerschaften und Nachbarstädten unter.
Das Wenige was man hatte, wurde miteinander geteilt.
Die fürstliche Familie gab Anholter Familien mit Kindern Unterkunft in den Räumen der Wasserburg, die ebenfalls schwer beschädigt war.
Wichtig war das Dach über dem Kopf, ein Zuhause.
Traurig war man über die schwere Beschädigung der katholischen Pfarrkirche. Beide Türme des majestätischen Bauwerks wurden in den letzten Kriegstagen gesprengt und der Anholter Dom war schwer beschädigt.
Die Renovierung zog sich Jahre hin.
Umso mehr freue ich mich, heute hier zu stehen und das Wort an Sie zu richten.
160 Jahre Sankt Pankratius Pfarrkirche in Anholt - auch dieses Gebäude gab den Anholter Bürgern eine Heimat, ein Zuhause für ihren katholischen Glauben. Auch hier unterlag man dem Wandel der Zeit, musste das Gotteshaus über die Jahre hinweg wieder restaurieren, zu neuem Leben und Glanz führen.
Neben der herrschaftlichen Wasserburg ist die Sankt Pankratius Pfarrkirche heute ein beliebter Anlaufpunkt für die Touristen - abgesehen vom Gläubigen, der gerne im Gebet verweilt auch ein sehenswertes, kunsthistorisches Gebäude für den Agnostiker.
675 Jahre Stadtrechte in Anholt, würden wir alles aufgreifen und erwähnen wollen, was wichtig war und ist, es wäre ein mühevolles Unterfangen und würde uns Tage beschäftigen.
Darum haben die Organisatoren der Ausstellung Ereignisse und Vorkommnisse ausgewählt, die unabhängig und losgelöst voneinander Anholter Geschichte aufgreifen und darstellen.
Der Blick ist hauptsächlich in die jüngere Vergangenheit Anholts gerichtet, auf Ereignisse, die dem Betrachter der Ausstellung ein: Weißt du noch, damals….  entlocken.
Als Motto der Ausstellung wurde der Ausspruch „Altes bewahren – Zukunft gestalten“ gewählt.
Ein Motto, dem sich der Heimatverein voll und ganz verschrieben hat.
Mit der Anmietung des Heimathauses in der Hohen Straße 10, hatte nun auch der Heimatverein Anholt seit 2008 eine Heimat gefunden.
Mit viel Herzblut und noch mehr Zeit wurde ein Heimathaus geschaffen, das nicht nur Sammlungen ein Zu Hause schuf, sondern ebenfalls ein Zentrum sozialen Lebens in Anholt wurde.
Zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen, Jubiläen, Klassentreffen usw. finden bei uns statt und mit der immer aktuellen Gestaltung des Schaufensters dokumentieren wir unsere Arbeit nach außen.
Unsere Veranstaltungen sind beliebt bei der Bevölkerung.
Erwähnenswert sind hier besonders die traditionellen Umzüge:
Der Umzug zu Palm Sonntag
Und der
Der Fackelumzug zu Sankt Martin.
Geprägt von der katholisch-christlichen Religion sind beide Umzüge zu gelebter Tradition, einem festen Brauchtum in unserem Ort geworden wo wieder „Altes bewahren – Zukunft gestalten“ zum Tragen kommt.
Bei beiden Veranstaltungen stehen die jungen Kinder und die Familien im Vordergrund. Besonders die Neubürger nehmen dieses Angebot gerne an und nehmen teil.
Der Fackelumzug zu Sankt Martin hat Jahr für Jahr mehrere Hundert Teilnehmer und wir freuen uns besonders auf den diesjährigen Umzug, da er in den beiden letzten Jahren leider abgesagt werden musste.
Eine neue Tradition wurde in den letzten Jahren mit der Veranstaltung „ Advent im Heimathaus“ geschaffen.
Am ersten Adventswochenende öffnen wir unser adventlich geschmücktes Heimathaus und bieten ein geselliges Beisammensein mit Getränken, Buchweizenpfannkuchen und Panhaas, Glühwein und Kakao.
Beliebt sind die musikalischen Darbietungen und ganz besonders unser Liederabend, wo mit Gitarrenbegleitung gesungen wird.
Nicht zuletzt müssen wir die Fahrradtouren erwähnen, deren Ziel immer eine Nachbargemeinde dies – oder jenseits der Grenze ist und so der Kontakt zu unseren Nachbarn ständig aufrecht erhalten bleibt.
Auch an Anholt ist der Wandel der Zeit nicht vorüber gegangen und so verwandelte sich unsere schmucke kleine Stadt seit 2000 leider in eine nicht mehr so schmucke Stadt!
Immer mehr Traditionsbetriebe mussten schließen, das Einkaufsverhalten hatte sich verändert, der Erlebniseinkauf zählte.
Das konnte unser beschauliches Örtchen nicht bieten.
Heute sind die kleinen Einzelhandelsgeschäfte fast völlig aus dem Stadtbild verschwunden.
Umso mehr tritt in der heutigen Zeit der Gedanke des gemeinsamen Miteinanders in den Vordergrund.
So ist auch diese heutige Veranstaltung ein schönes Beispiel dafür.
Gemeinsam mit den Vertretern der Stadt Isselburg und den Vertretern der Anholter St. Pankratius Gemeinde haben wir diese Veranstaltung geschaffen, um gemeinsam mit Ihnen und den Bürgern mit Stolz auf gemeinsame Anholter Geschichte zurück zu blicken und voller Freude auf eine gemeinsame, ereignisreiche Zukunft.