Folgen Sie den verschiedenen Autoren in die 

Anholter Vergangenheit. 

Nehmen Sie teil an den Reisen in 

vergangene Zeiten und Jahrhunderte Anholter Geschichte!

Wir wünschen allen Lesern viel Vergnügen und 

einen kurzweiligen Aufenthalt.

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Inhalt

 Autor

Meine Begegnung mit Erzherzogin Rosemary 

Ulrich H. Kolks, Heimatverein Anholt

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland 2021

     - Jüdisches Leben in der Stadt und Herrschaft Anholt

Ulrich H. Kolks, Heimatverein Anholt

Die Jesuiten Mission in Anholt

Ulrich H. Kolks, Heimatverein Anholt

Kermes im Städtchen

Ulrich H. Kolks, Heimatverein Anholt

Die Reliquien des heiligen Bischofs Liborius

- Raub, Wiedererlangung, Rückgabe, Reliquien des Heiligen Liborius in Anholt

Ulrich H. Kolks, Heimatverein Anholt

Die Wallfahrt Anholt - Kevelaer

Ulrich H. Kolks, Heimatverein - Anholt








 

Meine Begegnung mit Erzherzogin Rosemary

Dieses Foto dokumentiert die Hochzeit der Prinzessin Rosemary zu Salm Salm, Wild - und Rheingräfin mit dem Erzherzog Hubert Salvator von Österreich, Habsburg Lothringen, Prinz von Toskana, im November 1926 in Anholt.

Am 25. November 1926 war die standesamtliche Hochzeit in Anholt, am 26. November  die kirchliche Trauung in der St. Pankratius Pfarrkirche in Anholt.
Aus dieser Ehe gingen 13 Kinder hervor.
Prinzessin Rosemary war die Tochter des Erbprinzen Emanuel zu Salm Salm und der Kaiserlichen Hoheit Maria Christina von Habsburg - Lothringen, Erzherzogin von Österreich ( in Anholt bekannt als Kaiserliche Hoheit).
Das Foto zeigt die Braut in der Kutsche auf dem Weg zur St. Pankratius Pfarrkirche.
Eskortiert von den Offizieren des Anholter Bürgerschützenvereins, den Reitern der Regnieter Schützen, bewegte sich der Hochzeitszug von der Wasserburg zur Kirche.
Ganz Anholt war auf den Beinen um Anteil an der Hochzeit der allseits beliebten Prinzessin zu nehmen.
Nachfolgend ein Bericht von Ulrich H. Kolks, einem Anholter und Mitglied des Anholter Heimatvereins.

Er schildert seine Begegnung mit der Erzherzogin von Österreich, der in Potsdam geborenen Prinzessin Rosemary zu Salm - Salm, sowie deren familiären Verwandtschaftsverhältnis mit der Kaiserlichen Familie Österreichs.

 

Ulrich H. Kolks

Berlin Zehlendorf - Dezember 2020

 Meine Begegnung mit Erzherzogin Rosemary Habsburg-Lothringen 1995

in Mayerling (Kloster der unbeschuhten Karmeliterinnen).

Ich war von 1994 -1996 im Noviziat der Zisterzienser im Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, Niederösterreich. Mayerling liegt ca. 3 km von Heiligenkreuz entfernt. Mayerling war ursprünglich ein Jagdschloss. Kaiser Franz-Josef siedelte dort, nach dem sich Kronprinz Rudolf mit der ungarischen Freiin Vetsera am 30. Januar 1889 das Leben genommen hat, unbeschuhte Karmelitinnen an, um am Ort der Tragödie tägliche eine hl. Messe zu zelebrieren.

 Es war irgendwann Ende August, als ich mit Pater Gregor Henkel Donnersmark seinerzeit Direktor der Missio Austria in Wien, ins Gespräch gekommen bin. Pater Gregor war von 1999 – 2011 Abt des Stiftes. Als er mitbekam das ich ein Anholter bin, offerierte er mir er würde Erzherzog Michael Salvator Habsburg Lothringen kennen, denn seine Mutter wäre eine geborene Salm-Salm aus Anholt.

Einige Tage später klingelte das Telefon und Mutter Priorin aus Mayerling rief mich an. Ich möchte doch bitte am folgenden Tag um 17:15 im Karmel Mayerling sein, denn die „gnädige Frau aus Persenbeug“ möchte mich gerne kennen lernen.

Gesagt getan, am folgenden Tag fuhr ich dort hin und wurde von einer Mitschwester freundlichst begrüßt. Kurz darauf betrat eine große alte Dame das Besuchszimmer und konnte es nicht fassen das ich aus Anholt bin, denn dort hat sie bei ihrer Mutter der Erzherzogin Marie Christina und Ihren Geschwistern eine wundervolle Kindheit erlebt.

1926 hat Sie in Anholt Hubert Salvator Erzherzog von Österreich und Prinz der Toscana standesamtlich und im wunderschönen St. Pankratius - Dom zu Anholt geheiratet.

Hubert Salvators Mutter,  Marie Valerie,  war eine Tochter Kaiser Franz Josefs und der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn.

 Erzherzogin Rosemary lud mich ein, sie im Schloss Persenbeug an der Donau zu besuchen. Einige Wochen später fuhr ich mit Pater Cornelius nach Persenbeug.

Pater Cornelius Vater war Verwalter auf dem Gut Teschen in Galizien.

Das Anwesen gehörte Erzherzog Friedrich, dem Vater der Anholter Kaiserlichen Hoheit Marie Christina Erbprinzessin zu Salm-Salm.

Erzherzogin Rosemary erwartete uns bereits und führte uns in die Hauskapelle wo eine hl. Messe für Lebende und Verstorbene der Familie Habsburg Lothringen und der fürstlichen Familie zu Salm-Salm gefeiert wurde.

Anschließend führte sie uns ein wenig durch das Schloss bis wir vor einer Wiege standen. In dieser Wiege hatte Kaiser Karl, der letzte Kaiser der Doppelmonarchie Österreich Ungarn, als Kind gelegen, da er in Persenbeug geboren wurde.

 Zum Tee wurde in den Salon geladen, dort hing, zu meinem erstaunen ein riesiges Gemälde der Wasserburg Anholt.

Erzherzogin Rosemary legte immer Wert darauf zu sagen: „ unser Anholt“.

 Ich bin der Erzherzogin Rosemary noch zweimal im Laufe meines Noviziates begegnet.

Alle Begegnungen waren von einer Herzlichkeit und einem tiefen Glauben an Gott geprägt. Erzherzogin Rosemary, starb 2002 in Persenbeug und wurde neben ihren Mann in der Familiengruft des Schlosses Persenbeug an der Donau beigesetzt.

R I P 

 


1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland  2021

Jüdisches Leben in der Stadt und Herrschaft Anholt


Im Zuge des Jubiläumsjahres " 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" , kann auch Anholt etwas dazu beitragen.

Seit dem  10. Jahrhundert wird von einzelnen Juden im Münsterland berichtet. Seit dem 12. Jahrhundert kommt es zur Bildung jüdischer Gemeinden in den Städten und Dörfern des Münsterlandes. Zahlreiche Synagogen und Friedhöfe zeugen von einem regen jüdischen Leben. Nach dem Emanzipationsdedikt von 1815 (Anschluss an das Königreich Preußen) kam zu einem stetigen Zuzug von Juden in das Münsterland.

Zunächst möchte ich auf das Partikualrecht der Herrschaft Anholt von 1648 eingehen. Dort heißt es im 2 .Paragraphen : " In der Herrschaft Anholt findet unter Eheleuten eine allgemeine Gütergemeinschaft statt, welcher auch Beamte, Militär-Personen und Juden unterworfen sind."  Wann nun die ersten Juden in Anholt wohnten und lebten ist nicht bekannt.

1616 ist in einer Steuerliste der landesherrlichen Einkünfte der erste in Anholt registrierte Jude nachweisbar. 1641 wurde eine jüdische Ehe vollzogen. Den Juden in Anholt galt das "sogenannte Geleit" des Landesherren (hier Fürst zu Salm-Salm). Seit 1730 war ein Betraum in einem Wohnhaus nachweisbar und ab 1831 eine kleine Synagoge in der Niederstrasse, die durch den Landesherren Fürst zu Salm -Salm finanziell unterstützt worden ist. Sie erhielt die für den Gottesdienst benötigen liturgischen Gerätschaften seitens der Fürsten zu Salm-Salm. 1812 waren 12 jüdische Mitbürger in Anholt registriert und 1818 waren es bereits 44 Personen. 1866 waren mit Werth und Isselburg 66 Juden in den drei Orten eingetragen. Sie gehörten zur hebräischen Gemeinde zu Anholt. 1871 waren es dann in Anholt 42 jüdische Mitbrüger. 

Die Juden begruben ihrer Toten auf dem Friedhof an der Gemarkung " Judenberg" in der Bauernschaft Dwarsefeld. Der älteste Grabstein trägt die Jahreszahl 1821. 1932 und 1933 fanden dort die letzten Begräbnisse statt.

Die Anzahl der in Anholt registrierten Juden ging im Laufe es 19. Jahrhunderts durch Abwanderung zurück. Im 20. Jahrhundert verblieben 3 Familien. Die am längsten verblieben waren die Familien Cussel. Eine Familie betrieb eine Metzgerei am Eiermarkt, die andere einen Viehhandel. Louis Cussel galt als " Anholter Original", der harmlose Späße liebte und bei den Bauern in der Umgebung hohes Ansehen genoss. Sein Geschäft wurde 1938 zwangsenteignet. Er zog in die benachbarten Niederlande und verstarb eines natürlichen Todes.

 Die Novemberpogrome 1938 fanden in Anholt kein Gehör. Die Synagoge blieb unangetastet.  

Sie wurde in den Märztagen 1945 durch Brandbomben zerstört. Durch die geringe Zahl der Juden fanden keine Deportationen statt.  Ein einziger aus Anholt stammende Jude kehrte nach Kriegende nach Deutschland zurück (Wesel) 1950 wurde er Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Oberhausen. 

 Die jüdischen Mitbürger waren vollwertige und geachtete Mitglieder der Anholter Gesellschaft.

Jedoch konnte man in Anholt den Nationalsozialismus nicht aufhalten. Auch hier mussten dessen Gesetze und Regelungen eingehalten werden. So verließ 1939 die letzte jüdische Mitbewohnerin Anholt um ihrer anstehenden Verhaftung zuvor zu kommen und ging in die Niederlande.

Johanna Drecker, Kauffrau und Wirtin,  erinnert sich an Cussel, ein YouTube video absolut sehenswert.

 https://youtu.be/q-0HPDMCo9g

Seit 2005 erinnert ein Bronzerelief des Künstlers Dieter von Levetow am Gebäude der Volksbank (Niederstraße), der Text unter dem Davidstern lautet :

"An der Niederstraße in Höhe des Hauses 30 stand von 1831 - 1945 die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Anholt. Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig".

5 Moses 6.4         


Quellenangaben:

Anholter Geschichten 1997

Jüdische Leben in Anholt, VILE jüdische Friedhöfe in Deutschland    

www.jüdischen-gemeinden.de

Münsterland "Anholtnummer" 1919  

Internet-Portal "Westfälische Geschichte"      


                            Ulrich Kolks, Berlin Zehlendorf  März 2021     



Die Jesuiten - Mission in Anholt      

Die Anholter St. Pankratius Pfarrei stand (seit ihren Anfängen) unter dem Patronat der Herren von Anholt. Sie sorgte, das “gelehrte Pfarrherrn” eingesetzt wurden. Die Pfarrstelle was sehr umworben, sie hatte reiche Pfründe und sorgte für einen guten Unterhalt.

Als Nikolaus Pinders Pfarrer der Anholter St. Pankratius Pfarrkirche war (1659-1699) gab es um die Herrschaft Anholt Bedrohungen seitens der calvinistischen Stände in den benachbarten Niederlanden.

Pfarrer Pinders verfasste ein Examen (Schriftstück) das 1674 in Antwerpen erschienen ist. Es handelt sich um einen Gegenbericht des Gendringer calivinistischen Predigers Henricus Meillingius. Nach Johann Calvin (*1509 - +1564) und dessen Lehre der Mensch von Gott zu Heil und Unheil vorbestimmt ist und durch sein Leben seine Auserwähltheit bestätigt.

Religiöse Streitigkeiten begegnen uns bereits bei Pfarrer Hermannus Cyper, er musste in der Präsentationsurkunde 1558 schwören am katholischen Glauben festzuhalten.

Der Anholter fürstliche Archivar und Bibliothekar Dr. Didier,  gibt uns einen interessanten Einblick :

“Vielleicht war sein Werk (N. Pinders Examen) veranlasst worden durch die heftige Streitigkeiten, welcher der Tradition nach der reformierten Bevölkerung Gendringens und den katholischen Bevölkerung Anholts ausgebrochen waren. Ein regelrechtes Gefecht beider Parteien hat an der Straße nach Gendringen auf einem Sandhügel in der Nähe des Anholter jüdischen Friedhofs stattgefunden. Wann dieses Gefecht gefochten wurde ist nicht überliefert. Die Gendringer wurden geschlagen und mussten das Feld räumen und riefen :

“Haut aff, de Anholtsen winnt” (Haut ab, die Anholter gewinnen)

Die Gemarkung heißt seit dem 15. Jahrhundert (1437) “Cruseberg” -bis heute “Kreuzberg”.



An der Stelle der Schlacht wurde zum Andenken an den Sieg der Anholter ein steinernes Kreuz errichtet mit einer Inschrift die auf den theologischen Diskurs hinweist, das wir Katholiken keine steinerne Bildnisse anbeten, sondern Gott durch die bildliche Darstellung in Verehrung nehmen. Dieses Kreuz wurde 1809 auf den neuen Friedhof vor den Toren der Stadt überführt und steht da heute noch. Heute ist es ein Bodendenkmal der unteren Denkmalbehörde.

Es ist Hinweis und Mahnung zugleich, das die Reformation in unserer Gegend ihr schreckliches Gesicht gezeigt hat.

 

 

 

Da die Lehre Calvins in den Niederlanden auf fruchtbaren Boden viel, gab es Gebiete ohne kirchliche Struktur. Katholische Gottesdienste konnten nur in “Schuilkirchen" (verborgene Kirchen) stattfinden. Dieser Zustand hatte einen großen Zulauf von Katholiken aus den Niederlanden nach Anholt zur Folge. 1666 ersuchte daher Pfarrer Pinders um Unterstützung beim Patronatsherrn Fürst Carl Theodor Otto an.

Die Umsicht der Herren von Anholt, aus den Häusern Bronckhorst-Batenburg und Salm ist es zu verdanken, das die Herrschaft reichstreu und somit katholisch blieb nach den Grundsatz : 

“ Cuius regio ilius et religio” (Wie wessen Gebiet, dessen Religion).

1700 wurde Gottfried Theodor Ebereich “ Pastor binnen Anholt” (1700-1729), ein sehr eifriger Geistlicher. Er war ein Missionarius des “Collegii de Propagenda” und sehr bemüht um die Seelsorge und das Schulwesen. Mit Hilfe der Vermittlung durch den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, lud Fürst Ludwig Otto die Jesuiten ein, eine Niederlassung in Anholt zugründen. Als Missionare und Erzieher der Jugend sollen sie wieder den echten katholischen Geist bei der Bevölkerung beleben, die durch die langen Kriegszeiten stark gelitten hatte.

1715 wurde die Niederlassung in der Schloßstrasse gegründet. Der Jesuitenorden hatte einen bedeutsamen Anteil an der Gegenreformation ( Gegenbewegung der Reformation Martin Luthers). Zwei Missionare hatten ein reiches Arbeitsfeld in der Umgebung der Herrschaft Anholt.

Als es 1773 zur Aufhebung des Jesuitenordens kam, verblieben die Missionare in Anholt und unterstützten die Anholter Geistlichkeit bei der Seelsorge. Pfarrer Ebereich erlaubte den Patres bisweilen in der Pfarrkirche zu predigen und das Hochamt zu zelebrieren, die Kommunion auszuteilen, Beichte zu hören und bei Abwesenheit von Pfarrer und Kaplan katechetischen Unterricht zugeben, behaltlich aller Parochialrechte (Pfarrrechte). Der Messwein wurde ihnen gratis zur Verfügung gestellt, auf Kosten einer Stiftung der von den Jesuiten gegründeten Todesangstbruderschaft führte. Diese Bruderschaft hatte zum Ziel für einen gnädigen Tod seiner Mitglieder zu beten. 1717 wurde sie in Anholt gegründet und erlebte im 18. Und 19. Jahrhundert eine Blütezeit. Sie durften an jedem dritten Sonntag im Monat an Stelle der Vesper die Mitglieder zu Andachtsübungen versammeln.

Dennoch waren Differenzen kaum zu vermeiden, denn 1724 musste Fürst Ludwig Otto Meinungsverschiedenheiten beilegen.

1792 kam auf Bitten des letzten Missionars Vogeler Pater Emilius Schollmeyer nach Anholt. Er reformierte das Anholter Schulwesen durch die Gründung einer Lehr –und Erziehungsanstalt für Jungen und Mädchen, die ihren Sitz im “Batenburgschen Hause” hatte.

 

 

 Mit dem Tod des letzten Missionars Vogeler (+ 1812) wurde die Jesuiten-Mission in Anholt aufgelöst.

 




Anmerkung des Verfassers:

Jesuiten, Orden der Regularkanoniker in der römisch-katholischen Kirche. Soceitas Jesu (Gesellschaft Jesu) Er entstand um den Freundeskreis des Ignatius von Loyola, wurde 1540 päpstlich anerkannt. Die Ordensgründung war Teil einer katholischen Erneuerungsbewegung. Die persönliche Christusbeziehung ermöglichte für die damalige Kirche eine ungewohnte Offenheit gegenüber Menschen. Sie spielten lange eine große Rolle im Bildungssystem Europas. Der Jesuitenorden war lange Zeit starken Anfeindungen ausgesetzt und führte 1773 zur Auflösung des Ordens. 1814 wurde jedoch die Gesellschaft Jesu durch Papst Pius VII. wieder zugelassen.

 

 


Quellenangaben:

Münsterland “Anholtnummer”, 1919

Pfarrarchiv St. Pankratius Anholt

Bistumsarchiv Münster (Todesangstbruderschaft Anholt 1717)

Wickipedia.org

 

Ulrich H.Kolks, April 2021




 

Kermes im Städtchen !

Die Pfingstkirmes in Anholt

 

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Voller Kirmesplatz 1954
Voller Kirmesplatz 1954

Der heutige EinBlick lenkt auf diesen jahrhundertalten Brauch, den der Pfingstkirmes in Anholt.

Pfingsten, aus dem Griechischen „pentekoste“,  es ist der fünfzigste Tag nach Ostern und bildet so das feierliche Ende der Osterzeit.

Die Sendung des heiligen Geistes zu den Jüngern Jesu auf Erden, feiert so die bleibende Gegenwart in der Kirche.

Der katholische Erwachsenen Katechismus beschreibt es so:

„Der heilige Geist in der heiligen Schrift wird als die schöpferische Macht allen Lebens verstanden. Er belebt alles, hält alles zusammen und lenkt alles auf das endzeitliche Heil hin“.

Aus diesem Grund wird Pfingsten als der „Geburtstag der Kirche“ gefeiert.

  In vielen Regionen unseres Landes gibt es zu Pfingsten Brauchtum.

So auch in Anholt.

Seit dem 14. Jahrhundert, um 1300, Anholt war noch mit Graben und Palisaden befestigt , gab es zu Pfingsten Prozessionen, eine am Sonntag vor Pfingsten, eine am Pfingstmontag.

Zu beiden Prozessionen  wurden die Schützengilden aus Dinxperlo und Iseloh beordert, später kam noch die Gilde aus Bredevoort dazu, in Uniform mit Wehr und Waffen, hier Armbrüste (Feuerwaffen gab es zu der Zeit noch nicht).

 

Sie beschützten und begleiteten die Liebfrauenmädchen, die eine wundertätige Marienstatue mit sich trugen. Leider sind Die ihr zuzuschreibenden Wunder nicht überliefert. (siehe Anmerkung des Verfassers)

Der Mensch des Mittelalters auch die im Kirchspiel Bredenasle hatten diesen tiefen Glauben. 

Die Kirche in Bredenasle, so wurde das Gebiet zwischen Burg Anholt und Isselburg ( heute Breels) bezeichnet, war zu der damaligen Zeit die Pfarrkirche der Anholter Kirchengemeinde.

Eine zweite katholische Kirche, die Kirche, die innerhalb der Befestigungen stand, war eine Eigenkirche des Geschlechts Sulen - Anholt, Herrschaft über Burg und Stadt. Diese katholische Kirche besaß zu der Zeit noch keine Pfarrrechte.

Zu Pfingsten wurden die sogenannten „Hofhörigen“ (meint den Herrn von Anholt anhören, er hielt Hoftag und regierte seine Herrschaft d.h. er nahm seine landeshoheitlichen Pflichten war) wurden vom Herrn von Anholt und der Bevölkerung verköstigt, versorgt und belustigt.

Dieses Fest kann als Beginn der Pfingstkirmes gedeutet werden.

In Anholt wurde seit Generationen zweimal in Jahr Kirmes gefeiert. Pfingsten die Pfingstkirmes und die Herbstkirmes am Sonntag nach dem 8. September, dem Fest Mariä Geburt.

Die Herbstkirmes verlor im Laufe der Jahre zunehmend an Bedeutung und wurde in den 50 iger Jahren eingestellt.

Die Pfingstkirmes jedoch erfreut sich bis heute einer großen Beliebtheit da sie die erste im Jahr im weitem Umkreis von Anholt ist. Sie wurde gut besucht da Anholt als Ausflugsort eine besondere Anziehungskraft ausübte.

Hier sind im Besonderen die 30iger Jahre gemeint. Die Bedeutung dieser Anholter Kirmessen zeigen Auflistungen der Jahre 1825 -1870.

1825 standen zu Pfingsten 50 Buden und zur Herbstkirmes sogar 67 Buden.

1842 zu Pfingsten 70 und Herbst 51 Buden. In Krisenzeiten nahmen die Aussteller ab und in Umständen wie in Kriegszeiten 1914-18 und 1939-45 oder Pandemiezeiten 2020/2021 fand keine Kirmes statt.

Der ursprüngliche Standort war der Markt auf dem auch die Jahr- und Wochenmärkte abhalten wurden. Im Mittelalter diente der Marktplatz ebenfalls als Gerichtsstätte, zur Vollstreckung von Gerichturteilen.

Die Aussteller, die die Kirmes bestückten, kamen aus Coesfeld, Borken, Bocholt, Wesel, Rees, Emmerich, Kleve, Goch und aus den benachbarten Niederlanden.

Hermann Bruns berichtet 1930 : „In den frühen Nachmittagsstunden setzte der Besucherstrom ein. Die Isselburgerstraße glich dann einer Völkerwanderung. Überfüllte Züge brachten in Scharen die Bocholter nach Anholt. Die holländische Tram fuhr Sonderfahrten, eine nach der anderen. Das Schrillen und Pfeiffen der Tram suchte den Kirmeslärm zu übertönen. Von Isselburg kamen die Besucher zu Fuß oder mit dem Fahrrad in solchen Scharen, dass man scherzend zuweilen hörte, es seien mehr Isselburger als Anholter auf der Kirmes. Die Anholter waren wenig während der Nachmittagsstunden auf den Rummel.“

Die Anholter Gasthäuser waren am Pfingstmontag überfüllt. In den Abendstunden ebbte der Menschenstrom ab, es gab wieder Luft und die Anholter zogen von Legeland nach Drecker und umgekehrt, nach Onstein und Schütt, nach Reimer und Ternirssen.

Hermann Bruns berichtet weiter: „ In den Abendstunden durften wir mit Vater und Mutter über den Wall gehen um die Beleuchtung auf dem Kirmesplatz anzusehen, die Lampen und Lämpchen. Am darauf folgenden Tag war wieder Kirmes. Pfingst-Dienstag-Kirmes für die Anholter. Dann ruhte in Anholt die Arbeit.“

In der heutigen Zeit beginnt sie mit dem Fassanstich des Bürgermeisters am Pfingstsamstag und endet Pfingstmontag in den Abendstunden.

Im Laufe der Zeit wurde die Kirmes  aus der Stadt verbannt und findet heute auf der Schneidkuhle statt. Seit Gründung des Grenzlandtambourcorps und Fanfarenzug Anholt 1949, feiern die Musiker an Pfingsten ihr Stiftungsfest.



Maria Dreyer (geb. ter Voert) die Familie ihres Mannes beschickt bereits seit Jahrzehnten die Kirmes schrieb mir: „Über die Anholter Kirmes kann ich nur sagen ist, das die Kollegen, wenn wir denn vor Ort sein dürfen, ein Team sind, bestehend aus jahrzehntelang angestammten Beschickern, die die Tradition der Anholter Pfingstkirmes hoch halten. Indem wir ständig investieren und erneuern bleibt die Tradition der Veranstaltung erhalten. Im Interesse der Beschicker und des Veranstalters (hier Ordnungsamt) wäre es wünschenswert, das der Ordnungsamtsleiter über ein größeres Werbebudget verfügt, um die Kirmes zu erweitern, Besucher und Beschicker zu vermehren.“

 

Blicken wir hoffnungsvoll auf die Zeit, wenn die Kirmes wieder nach Anholt kommt und wir alle erneut in gewohnter Weise, wie es seit Jahrhunderten geschehen ist, miteinander feiern werden.

   



Ulrich H. Kolks

 

Quellenangeben:

Kath. Erwachsenen Katechismus 3. Auflage, 1985

Archiv Heimatverein Anholt

Stadtarchiv, Bestand Anholt

Jahrkreisbücher des Kreises Borken,

Aufzeichnungen von August Visser, 1970

Wickipedia.org

 

Anmerkung des Verfassers:

Prozessionen

Es gibt zunächst einmal eine Prozessionsordnung, sie ist die Regelung der Aufstellung bei liturgischen Prozessionen wie Einzug und Auszug sowie Flurprozessionen. Bei großen Prozessionen zu bestimmten Anlässen nehmen die Gemeinde, dann gottgeweihte Personen, Fahnenträger, Musikkapellen, Kommunionskinder, Firmlinge oder andere Gruppen teil. Der Prozession geht meist das Kruziferar (Vortragekreuz) voraus. Weihrauch und Leuchter folgen. Es gibt Eucharistische-, Bitt- und Dankprozessionen von denen es in Anholt zahlreiche gegeben hat.

Liebfrauenmädchen waren meist junge Mädchen, die die Muttergottesstatue tragen durften. Unsere Liebe Frau ist ein häufiges Patrozinium von Kirchen. Die die Marienstatue Unserer lieben Frau tragen durften wurden oft Liebfrauenmädchen genannt.

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 Die Reliquien des heiligen Bischofs Liborius

Raub, Wiedererlangung, Rückgabe, Reliquien des hl. Liborius in Anholt

Liborius von Le Mans https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Liborius_von_Le-Mans.htm


Liborius, Bischof von Le Mans in Frankreich

Der katholische Gedenktag ist der 9. April

Liborius bedeutet: der Gott geopferte (griechisch – Latein)

                     oder: feierlicher Sprecher ( keltisch – Latein)

vermutlicher Todestag: 09. Juni 397 in Le Mans in Frankreich 


Am 7. August 1907 hielt Pfarrer Heinrich Fortkamp (1895-1927 Pfarrer in Anholt) einen Vortrag über „Die St. Liborius-Reliquien zu Anholt im Besonderen“.

Dort steht zu lesen: „ Anfang dieses Jahres habe ich auf dem Sakristei Gewölbe unserer neuen Kirche (gemeint ist damit die jetzige St. Pankratius Pfarrkirche) 4 Reliquienbehälter aufgefunden, zwei Pyramidenförmige und zwei ovale aus Eichenholz im Renaissance Stil mit Glasverschluß, erstere oben geziert mit Mitra und Stab, nach Aufschrift enthaltend große Reliquien es castibus et cranio St. Liborii und Mart. Travirensium. Diese Reliquien haben nach Aussage glaubwürdiger Zeugen seit unvordenklichen Zeiten auf dem Hochaltar der alten Kirche von Anholt gestanden.“

Dazu müssen wir in das Jahr 1622 zurückblicken. Es tobt der 30 jährige Krieg im heiligen römischen Reich deutscher Nation. 1622, vier Jahre nach dem Ausbruch dieses Krieges, eroberte der protestantische Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599 – 1626), auf der Suche nach einem Winterquartier für sein Heer, die Stadt Paderborn. Er plünderte die Stadt und den Domschatz, darunter war auch der Schrein des heiligen Liborius. Herzog Christian ging dabei nicht zimperlich vor. Aufgrund seines ungestümen Charakters war er als der „tolle Christian“ bekannt. Der Herzog ließ aus diesem bedeuteten Kirchenschatz Spottmünzen prägen mit der Aufschrift „Gottes Freudt / Der Pfaffen Feindt“ und machte mit den Reliquien Geld.

Am 20. Juni 1622 erlitt der Herzog Christian in der Schlacht bei Höchst (Frankfurt) eine herbe Niederlage und zog mit seinem Heer nach Lothringen. Hier in Lothringen kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung mit dem Rheingrafen Phillip Otto zu Salm, der ein Jahr später durch Kaiser Ferdinand II in den Reichsfürstenstand erhoben wurde.

Michael Strunck schreibt 1896 : „…kam nebst andern Herrn zu einem freundschaftlichen Besuch zu ihm der Rheingraf Phillip Otto zu Salm, ein eifriger Katholik, der bei ihm zu Mittag aß.“ Phillip Otto fragte den „tollen Christian“ vertraulich, wo er die, unter so vielen mühevollen Reisen zusammengetragenen Gebeinen aus dem Schreine gelassen habe. Die habe ich noch bei mir, sprach der Herzog, und befahl sogleich seinem Sekretär, der sie in Verwahrung hatte, sie nach der Tafel herbeizubringen und auf den Tisch niederzulegen.“ Die Reliquien waren in ein schlichtes, kleines Tischtuch genäht und mit dem herzoglichen Siegel versehen.

Strunck schreibt weiter: „Dass sie so zerbrochen sind, kommt daher, dass sie auf den Reisen in den Kasten lagen, dass das Silbergeschirr enthielt und beim Transport auf unebenen rauen Strassen oft gestoßen wurde. Diese Antwort rührte den guten, frommen Grafen, dass ein uraltes berühmtes Heiligthum so verunehrt werde. Deshalb bat er den Herzog freundlichst er möge ihm und seiner lieben Gemahlin das Heiligthum schenken.“ Strunck schreibt er habe die Reliquien für 4000 Taler und sein bestes Pferd erworben, aber dazu fehlen bis heute die nötigen Quellen.

Die Reliquien wurde in die salm´sche Residenz auf Schloß Neuweiler ( Neuviller sur Moselle) gebracht. Am 14.September 1622 bekam der Kurfürst von Köln, Ferdinand von Bayern (1577 – 1650) zugleich Fürstbischof von Münster und Paderborn, Nachricht darüber, dass die Gebeine in der Obhut des Rheingrafen Phillip Otto und seiner Gemahlin Christine gelangt sind.

Am 3. Oktober 1622 erklärt der Rheingraf, die Reliquien, die sich in der Schlosskirche zu Neuville befinden, der Domkirche nach Paderborn zurückzugeben. Bei einer Besprechung im Januar 1623 in Regensburg (Reichstag) zwischen dem Kurfürsten von Köln und dem Fürsten zu Salm, wurde dem Fürsten gestattet, einen geringen Teil der Reliquien zurückzubehalten. Der Fürst verspricht diese Reliquienfragmente stets aufzubewahren.

Der größte Teil der Reliquien gelangte am 7. Juni 1623 über das Kloster Marienforst bei Bonn nach Paderborn zurück. 1627 konnten die Reliquien wieder im Hochaltar des Domes beigesetzt werden. Auf der Webseite des Erzbistums heißt es: „Der abenteuerliche Reliquienraub tat der Liboriusverehrung in Paderborn keinen Abbruch. Im Gegenteil: Nach der glücklichen Rückkehr wurden die Reliquien noch inniger verehrt als zuvor.“


Als der Sohn Phillip Ottos, Leopold Phillip Carl Fürst zu Salm 1643 durch einen Ehevertrag mit Graf Dietrich IV. von Bronckhorst-Batenburg zu Anholt um seine einzige Tochter Gräfin Maria- Anna in den Besitz der Grafschaft Anholt kam, ist anzunehmen das der Fürst die Reliquienfragmente mit nach Anholt gebracht hat. Als sicheres Datum komm das Jahr 1752 in Frage. Seit dieser Zeit standen die Reliquien in Behältern auf dem Hochaltar der alten Kirche binnen Anholt.





Als die neue St. Pankratiuskirche eingeweiht und zugleich die alte katholische Kirche abgetragen wurde, war Friedrich Achterfeld (1856 – 1895) Pfarrer in Anholt. Warum er die Reliquienbehälter in das Gewölbe oberhalb der Sakristei verbracht hat ist nicht klar und überliefert. Wahrscheinlich wusste er nicht, was er da in den Händen hielt.

Nachdem nun Pfarrer Fortkamp 1907 die Reliquien wieder entdeckt hat, wurden diese in die Wasserburg verbracht, am 31. Oktober 1907 katalogisiert und gereinigt. Einige Teile der Reliquien wurden dem Kölner Prälaten Dr. Schnügten vorgelegt und als echt erklärt. Prinzessin Constanze zu Salm-Salm bemühte sich um eine würdevolle Umhüllung und die Reliquien wurden neu beschriftet. Fürst Leopold erwarb ein Reliquiar worin sie bis zur Bombardierung 1945 aufbewahrt wurden.

Ab 1917 bat Bischof Karl-Josef Schulte von Paderborn um die Rückgabe, diesem wurde nachgegangen und wiederum verblieb ein Teil im Besitz der fürstlichen Familie zu Salm-Salm.

Bis heute befinden sich Fragmente der Reliquien in Anholt und Rhede.

 

Der heilige Bischof Liborius von Le Mans, Frankreich und seine Bedeutung

Liborius entstammte einem hochgestellten gallischen (keltischen) Geschlecht. Seine Erziehung orientierte sich an römischer Kultur.

Liborius war im 4/5. Jahrhundert Bischof im französischen Le Mans.

Nach mittelalterlichen Heiligenlegenden soll er stattliche 47 Jahre dort Bischof gewesen sein.

Liborius war zu seinen Lebzeiten ein Freund des hl. Bischofs Martin von Tours, dem Bischof Martin, den wir heute zu Sankt Martin verehren. Der heilige Martin begleitete Liborius in seiner Sterbestunde und bestattete ihn auch.

Schon früh wurde Liborius in Le Mans als Heiliger verehrt und so manche Wunderheilung wurde ihm schon zu seinen Lebzeiten zugesprochen.

Unter Kaiser Ludwig dem Frommen kamen die Gebeine des Liborius im Rahmen der Reliquientranslation ( im Christentum wird so die feierliche Überführung von Reliquien von einem Ort zum anderen bezeichnet) von (west) fränkischen Kirchen und Klöstern nach Sachsen in die Bischofsstadt Paderborn. Bischof Baduard (815-862) hat die Reliquien in der Domkirche untergebracht. Einer Legende nach soll ein Pfau, der dem Umzug voraus lief, als Wegweiser in die Bischofsstadt gedient haben. Durch die Reliquientranslation von Le Mans nach Paderborn ist die älteste Städtefreundschaft der Welt entstanden. Noch heute wir alljährlich zum Gedenken an die Translation um den 23 . Juli in Paderborn das Libori Fest gefeiert.

 

Quellenangaben

Michael Strunk, Über das Leben, die Reliquien des hl. Bischofs Liborius Paderborn 1896 S. 4 -8

Schriftstücke aus dem fürstlichen Archiv in Anholt, ein besonderer Dank an S.D. Dr. Emanuel Erbprinz zu Salm

Wickipedia.org

Bildnis Bischof Liborius : https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Liborius_von_Le-Mans.htm

 

Ulrich H. Kolks

Heimatverein Anholt 


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Die Wallfahrt Anholt – Kevelaer

 

Als im 17. Jahrhundert die Gläubigen anfingen, nach Kevelaer zu pilgern, soll einer hier im Volke lebenden Tradition zufolge die dritte der dort angekommenen Prozessionen die von Anholt gewesen sein.

Für diese Tradition scheint zu sprechen, dass Anholt für seine Kerze den dritten Platz in der Kapelle von jeher besessen hat. Der Platz hat die Nummer II, 2.


 

Wer heute die Gnadenstätte besucht, wird schwerlich den exklusiven 3. Platz für die Kerze und das Schild finden. Beide sind rechter Hand vorn, inmitten von über 400 Emblemen anderen Orte zu finden. Nach Angaben eines Ordenshistorikers ist die Kerzenordnung öfter geändert worden.

Bemerkenswert sind drei Bleiglasfenster in der Gnadenkapelle. Sie zeigen das fürstliche Salm-Salm´sche Wappen und wurden vom fürstlichen Haus gestiftet. Auch hier ein indirekter Bezug zu den alten Bindungen Anholts zur „consolatrx afflictorum“ von Kevelaer.

Als Hendrick Busmann getreu der geheimnisvollen Stimme beim Hagelkreuz vor Kevelaer, die, die ihm auftrug: „hier sollst du mir eine Kapelle bauen“ begann nachdem seine Frau Michel das Bildchen „unsere Liebe Frau von Luxemburg“ zur allgemeinen Verehrung dort angebracht hatte, begann spontan eine Wallfahrtsbewegung aus der ganzen Umgebung.

Anholt lag als reichsunmittelbares Lehen der Grafen von Bronckhorst-Batenburg im Brennpunkt des Streites zwischen Reich, dem Herzog von Geldern und der Utrechter Union. Brandschatzungen und Plünderungen waren nur Höhepunkte des Elends des 30jährigen Krieges. Burg und Stadt hatten schwere Zeiten, waren zerstört und entvölkert. Erst mit den westfälischen Frieden (1648), kehrte das Leben zurück und die Stadt wurde wieder aufgebaut und die Befestigungen erneuert. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Bewohner Anholts und der Umgebung schon früh, zur Trösterin der Betrübten pilgerten, um ihre Sorgen und Nöte vortrugen und um ihren Schutz zu baten.

 Wenn auch die Quellen aus dem 30 - jährigen Krieg nur spärlich sind so ist das Jahr 1751 bekundet : Der Fürst zu Salm zu Anholt opfert eine Kerze in der Oktav von Maria Heimsuchung von 100 Pfund.   

Im Kevelaerer Pilgerbuch sind Wallfahrten von 1784 bis 1796 verzeichnet.

In preußischer Zeit ab 1820 gab es Unterbrechungen, da die Regierung in Münster Prozessionen verbot. Die Wallfahrer gingen dann ohne Geistlichkeit und Fahnen zum Gnadenort. In diese Zeit fällt auch das Anholter Pilgerschild von 1841, es zeigt das fürstliche Wappen und die Anholter Säule, die Jahrhunderte das Wappen der reichsunmittelbaren Herrschaft Anholt war. Religiöse Darstellungen waren nicht erlaubt.

Die Wiederaufnahme der feierlichen Prozessionen mit Begleitung der Pfarrgeistlichkeit ist für 1846 datiert. Von 1821 -1825 gingen rund 400 Anholter ohne Geistlicher Begleitung, Fußprozessionen gab es bis 1871. Ab 1865 hatten die Anholter 2 Priester als Begleitung.

Der Weg nach Kevelaer war nicht immer der gleiche. Früher war man zu Fuß mit Karren unterwegs. Der Weg ging über Appeldorn, Uedemer Feld, Uedem und Kervenheim ein anderer verlief über Marienbaum, Uedemerbruch, Winnnekendonk mit Rückweg über Niedermörmter nach Anholt.

Ein Pilgertag der damaligen Zeit begann gegen 4:30 die Anholter zogen zur s.g. Runden Bank.

Dort warteten die Anholter Fuhrleute mit ihren zweirädrigen Karren, die waren mit einem weißen Schutzdach über aufgespannte  Bügel überdeckt. Die Fuhrleute trugen in der damaligen Zeit die Fuhrmannstracht, den blauen Bramländer Kittel. Eine Karre war die „Kirchenkarre“ für Geistliche, Messdiener und Fahnenträger.

In Rees war die Rheinfähre bestellt und jenseits des Rheines ging man den Anholter Pilgerweg über Appeldorn, Uedemerfeld, Uedem und Kervenheim nach Kevelaer. Die Lieder die gesungen wurden waren genau vorgeschrieben. Vor dem Einzug in Appeldorn wurde traditionsgemäß der „Silvoldtsche Marsch“ gesungen , ein Marienlied im Marschtempo. In Kevelaer wurden die Anholter von einer Musikkapelle im Empfang genommen und zur Gnadenkapelle begleitet. An folgenden Tag ging die Pilgerschar den Weg zurück und erreichte gegen Abend Vehlingen und versammelte sich bei Venderbosch. Viele Anholter kamen ihr bis hierher entgegen. Man ordnete sich zur Prozession und zog von hier aus unter Glockengeläute in die Stadt und in der Pfarrkirche wurde der feierliche Schluss Segen gespendet.

 




Ein besonderer Ort ist die Marienkapelle unter dem Südturm. 1890 schenkte der Wallfahrtdirektor von Kevelaer den Anholtern eine Kopie des Gnadenbildes, da die Anholter neben Rees eine der ersten Prozessionen waren die in Kevelaer angekommen sind. Der Anholter Töpfermeister Wilm Rinck schuf eine Plattendekor, welches in Form und Art einzigartig ist.





 

   

Quellenangaben :

Bocholter Kirchenkalender 1992

Anholter Geschichten 1997

Pfarrarchiv St. Pankratius Anholt

Kevelaerer Pilgerbuch im Priesterhaus am Kapellenplatz

Wickipedia.org

Alle Fotos Heimatverein Anholt

 

Ulrich H. Kolks

Heimatverein Anholt, Juli 2021